Seit etwas über einem Jahr wird in den Zwönitzer Museen, in Archiven, historischen Schriften und Fachbüchern fleißig recherchiert, geforscht und geschrieben, um schlussendlich auch die Geschichte der Papiermühle Niederzwönitz einmal würdig zu Papier zu bringen. Wichtigen Anteil an diesen Bemühungen hat auch die Suche nach Papieren, die einst in Niederzwönitz geschöpft wurden. Identifiziert und zugewiesen werden solche Papiere anhand von Wasserzeichen, die sich beim Durchleuchten der Bögen offenbaren. Durch das Aufnähen von in Form gebogenen Drähten auf die kupfernen Schöpfsiebe war es den Papiermachern möglich, Zeichen in den Papieren zu hinterlassen, die die Herkunft eines jeden Blattes aus einer bestimmten Mühle bezeugten. Auch der Papiermacher selbst, der Besitzer der jeweiligen Papiermühle oder die Zeichen der zugehörigen Stadt oder Herrschaft finden sich in historischem Büttenpapier. Durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Motiven, die von den Papiermachern ersonnen und auf ihre Siebe aufgebracht wurden, können Wasserzeichen darüber hinaus so einiges über das Selbstverständnis der Papiermacher und Papiermühlenbesitzer verraten. Auch Verbindungen zu Verwaltung, Kirche und Herrschaft sind durch die Symbole überliefert. So weisen Wappen auf Städte, Herrschaften und ansässige Adelsfamilien hin, während sich Papiermacher mit Initialen und selbst gewählten Symbolen verewigten. So begaben sich Mitarbeiter der Museen im Laufe der letzten Jahre wiederholt auf die Suche nach Niederzwönitzer Papier. Und sie wurden fündig, in den Staatsarchiven in Dresden, Leipzig und Chemnitz ebenso wie in Museen und Kirchenbüros im näheren Umkreis. Obwohl durch die langjährigen Arbeiten Paul Kunzes, Martin Wintermanns und Bruno Gebhardts für die drei Zwönitzer Papiermühlen bereits in der Vergangenheit eine dichte Reihe solcher Herstellermarken identifiziert und in eine zeitliche Ordnung gebracht werden konnten, lassen sich eins ums andere Mal auch noch neue, vollkommen unbekannte Wasserzeichen finden. In Geyer begab sich der Leiter des Heimat- und Turmmuseums, Lutz Röckert, auf die Suche nach Wasserzeichenpapieren. Fündig wurde er im eigenen Depot, in Rechnungsbüchern der Bergbruderschaft zu Geyer aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die nun im Stadtarchiv der Bergstadt verwahrt werden (Abb. 1-2).

Abb. 1-2. Rechnungsbücher der Bergbruderschaft zu Geyer aus den Jahren 1672 und 1686. Stadtarchiv Geyer. Dauerleihgabe im Technischen Museum Papiermühle Niederzwönitz. Foto: Heimatwelten Zwönitz

Mit Hilfe der Zwönitzer Kollegen wurden die Rechnungsbücher und zahllose weitere Papiere ihren jeweiligen Mühlen in Zwönitz, Burgstädtel, Schwarzbach, Tannenberg und Niederzwönitz zugeordnet. Die bereits sehr umfangreiche Reihe bekannter Niederzwönitzer Wasserzeichen konnte hierbei um zwei weitere, besonders aufwändige Vertreter erweitert werden (Abb. 3-4).

Abb. 3-4. Wasserzeichen aus dem Rechnungsbuch der Bergbruderschaft zu Geyer aus dem Jahr 1672. Stadtarchiv Geyer. Dauerleihgabe im Technischen Museum Papiermühle Niederzwönitz. Heimatwelten Zwönitz

Die Rechnungsbücher der Jahre 1671 und 1686 offenbaren ein Wappen aus einem Schild mit einem rechts gewendeten, steigenden Löwen, bekrönt von einem Turnierhelm mit reicher Helmzier und den Initialen I L V S. Als Gegenzeichen findet sich auf der dem Wappen entgegengesetzten Seite der Bögen ein Papiermachersignet in Form einer sogenannten Viererhakenmarke mit den Initialen C B. Wie lassen sich die Wasserzeichen deuten? Das Wappen verweist durch den steigenden Löwen auf das Adelsgeschlecht der von Schönbergs. Der Legende nach soll ein Löwe während eines Kreuzzuges durch den Ahnherren der Familie erlegt und zum Wappentier erwählt worden sein. Eine genauere Zuordnung ermöglichen die Initialen I L V S. Es handelt sich um das Wappen Joachim Loth von Schönbergs (1618-1679), der von 1648 bis zu seinem Tod die Lehnsherrschaft über die Rittergüter Gelenau, Thammenhain und Niederzwönitz innehatte und seit 1660 Besitzer der Papiermühle Niederzwönitz war. Sein Epitaph im Dom St. Marien zu Freiberg zeigt ein fast identisches Wappen (Abb. 5). Letzte Sicherheit bei der Zuordnung des Wasserzeichens zur Niederzwönitzer Papiermühle liefert das sogenannte Gegenzeichen. Die entlang der Hakenmarke ersichtlichen Buchstaben C B beziehen sich auf Conrad Beyer (1647-1690). Der aus Oberschlema stammende Papiermacher war von 1672 bis 1690 Pächter der Niederzwönitzer Papiermühle.

Abb. 5. Epitaph Joachim Loth von Schönbergs im Dom St. Marien zu Freiberg. Der Kopf des aus dem Helm erwachsenden Tierrumpfes ist verloren. Foto: Förderverein des Doms St. Marien zu Freiberg.

Das neu gefundene Wasserzeichen vervollständigt auf diese Weise nicht nur die Abfolge uns bekannter Niederzwönitzer Wasserzeichen, sondern belegt auch die enge Verbindung zwischen Niederzwönitzer Handpapiermacherei, lokalem Adel und umliegenden Bergbauorganisationen- und Verwaltungen.

Wer nun die faszinierenden Wasserzeichen nebst weiteren Schätzen der Zwönitzer Papiermühlen einmal ganz aus der Nähe betrachten möchte, hat ab 17.09.2025 die Gelegenheit. An diesem Tag feiern wir ab 17:30 Uhr die Eröffnung der Kabinettausstellung im Technischen Museum Papiermühle Niederzwönitz und die Buchpremiere einer neuen Schriftenreihe zur Geschichte der altehrwürdigen Mühle. Im Rahmen eines reich bebilderten Festvortrages werden spannende Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse zur Niederzwönitzer Papiergeschichte geboten sowie die Möglichkeit, die druckfrischen Bücher direkt vor Ort zu erwerben. Wir freuen uns auf einen geselligen Abend mit guten Gesprächen bei einem Glas Wein. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird aber gebeten. Telefonisch unter 037754 2690 oder per E-Mail an: papiermuehle@zwoenitz.de.

Text/Bilder: Marco Blechschmidt