Wer als Anrainer oder Besucher hin und wieder nach oder auch durch Zwönitz fahren muss, ist oft genug am Verzweifeln. Entweder behindern Baustellen den Verkehr, zwingen zum Warten im Stau oder nötigen auf weitgreifende Umgehungsrouten. Und wenn gerade mal nicht gebaut wird, dann versperren mehrtägige Stadtfeste die Durchfahrt in der Innenstadt. So war es auch am Wochenende vom 24. bis 26.10.2025, als die Zwönitzer und zugegeben sichtbar begeisterte Besucher und Einwohner, hier von Freitag bis Sonntag die große Zwönitzer Kirmes feierten.
Für viele aus umliegenden Städten wirft das schon Fragen auf. Bezüglich der Notwendigkeiten für Baustellen sicher weniger, aber schon danach, wie es den Zwönitzern noch immer wieder gelingt, trotz knapper Kassen und rarer Manpower solche Großveranstaltungen, gar mit weithin bekannten Schlagerstars, auf die Beine zu stellen.
Wie oft hört man gerade auch von Jüngeren: Ist doch nichts los bei uns im Ort! Also, hier kann das wirklich keiner sagen!
Jedes Jahr beginnt der Reigen bereits am 2. Februar, zur Lichtmess, wo auf dem Markt an vielen Buden und nachfolgend in vielen Gaststätten die Weihnachtszeit mit Programm, Musik und Geselligkeit ausgeläutet wird. Im Mai folgt die Zwönitzer Einkaufsnacht mit Party und Veranstaltung in der gesamten Innenstadt, am 21. Juni, zur Sommersonnenwende, die „Fête de la Musique“, ein musikalisches Straßenfest, wo für praktisch jeden etwas dabei ist. Ebenso in dieser Zeit alle Jahre wieder die „Zwönitztaler Radtour“, die Sportbegeisterte aus Nah und Fern anzieht. Während der Sommerferien, wo im Allgemeinen wirklich nicht allzu viel los ist, wird in Zwönitz jährlich abwechselnd das „Weinfest“ bzw. die „Sommer-Oldies“ gefeiert, mit einer Stadt voller begeisterter, nahezu schwelgender Menschen. Im Herbst geht es dann fast Schlag auf Schlag. Im September der „Erzgebirgische Pferdetag“ und anschließend das „Zwönitzer Erntedankfest“. Und dann, im Oktober, die besagte „Kirmes“. Aber damit nicht genug. Um den ersten Advent folgen die „Zwönitzer Hutzentage“ mit Weihnachtsmarkt und großem Bergaufzug, am Wochenende des 4. Advents der „Stollenkönig“ und das „Zwönitzer Rennwolfrennen“! Wer dann noch nicht genug hat, der muss nur bis 2. Februar warten, dann geht es wieder von vorne los! Und das waren nur die Großveranstaltungen!
Vielleicht mag nun mancher kritisch einwenden, dass das alles vielleicht schon Symptome einer übersteigerten Spaßgesellschaft seien, doch derjenige würde verkennen, welche wirtschaftliche Auswirkung das für eine Stadt wie Zwönitz hat. Einzelhandel, Gastronomie und Hotelgewerbe, die Wohnungswirtschaft und letztlich der ganze Wirtschaftsstandort Zwönitz leben davon, im nahen und weiteren Umland bekannt zu sein, Menschen für kurz oder länger, gar dauerhaft anzuziehen! Und weil das so ist, gibt es in Zwönitz auch einen sehr starken „Gewerbe- und Verkehrsverein“ auf dessen Konto, besser „Arbeitskonto“, nämlich nicht nur die „Kirmes“, sondern auch die „Einkaufsund Erlebnisnacht“, der „Stollenkönig“ und das „Rennwolfrennen“ gehen. Wohlgemerkt, nahezu ohne öffentliche, aus Steuern finanzierte Unterstützung, sondern bezahlt mit eigener Hände Arbeit sowie der nicht geringen Hilfe aus Sponsoring ansässiger Firmen und Privatleute, denen hier ausdrücklich gedankt sein soll!

„Hobby-Horsing“ auf der Langen Gasse. Bereitgestellt vom Reit- und Fahrverein Zwönitz.
Kati (17) und die kleine Lea ( 5)
Foto: Klaus Jedlicka

Wer es vielleicht nicht weiß, „Kirmes“ bedeutet eigentlich Kirchweihfest, also Fest, wo man das vielleicht vor vielen Jahrhunderten erbaute Gotteshaus einst weihte. Das ist nicht nur in Zwönitz so, sondern praktisch überall und zu unterschiedlichen Jahreszeiten, in Zwönitz von alters her immer am Sonntag nach dem „Lukas-Tag“, dem 18. Oktober! Nun hat die Kirchenzugehörigkeit, warum auch immer, in den letzten Jahrzehnten stark nachgelassen, aber dennoch feiern die Menschen die Anlässe weiter, füllen gewisse Leerstellen mit neuen Inhalten. So geschehen auch in Zwönitz, wo neben der traditionellen Kirchweihe der großen „St. Trinitatis“-Kirche, die Kirmes zu einem Volksfest des heimischen Gewerbes und der Vereine ausgewachsen ist.
Und so hat man sich präsentiert! Eine Stadt, geschmückt, mit Trubel in Geschäften, in Gaststätten und natürlich mit tausenden Menschen auf dem Markt und in der Innenstadt. Wie die Jahre zuvor hatten die Zwönitzer viele Buden mit einem reichhaltigen kulinarischen Angebot aufgestellt. Auf der großen Bühne spielten Bands und Darsteller ein Megaprogramm ab. Bereits am Freitagabend erfolgte mit DJ Sigma ein Warm-Up gerade auch für junge Leute, dem am Sonnabend die Partyrockband DEEPS folgte. Am Sonntag dann, nach dem Weihegottesdienst in der Trinitatiskirche und dem Frühschoppen auf dem Marktplatz, sollte eigentlich nach dem Mittag der große alljährliche Festumzug der Vereine und Gewerbetreibenden stattfinden, wo sich von den Bergleuten bis zur Feuerwehr, von den Fuß- und Handballern, vom Autohaus bis zur Agrarwirtschaft, Zwönitz in seiner Vielfältigkeit präsentiert. Doch da hatte in diesem Jahr wohl der Wettergott etwas dagegen. Kurz nach Mittag kam Sturm auf, dann Regen und zu guter Letzt der erste Schneesturm des Jahres. Wenn der Schnee auch nicht liegenblieb, so war die Durchführung des Festumzuges nicht zumutbar. Die Gesundheit und das Equipment der Teilnehmer sollten nicht gefährdet werden! Als aber die Blauen Schützen Punkt 14 Uhr vom Rathausbalkon ihre Salutsalven abgefeuert hatten, hatte wohl auch der letzte den Schuss gehört: Das Wetter wird wieder besser und die Party kann weitergehen, jetzt wird der Kirmeskuchen angeschnitten! (Der diesjährige Kirmeskuchen der Bäckerei Auerswald aus Brünlos, angeschnitten durch den Hauptsponsor der diesjährigen Kirmes, die Firma Gantner, vertreten durch Jeannette Scholz (3.v.l.) und den Großsponsor MdL Tom Unger (2.v.l.).)

Foto: Ralf Wendland

Es ist nicht möglich, alle Attraktionen des Wochenendes hier aufzuführen. Von Beiträgen auf der Bühne, von den Vereinen, die sich an verschiedenen Stationen mit Spielespaß und Unterhaltung aufgebaut hatten und die so viel Liebe und Engagement eingebracht hatten. Gerade sie sind es ja, die so einer Veranstaltung den liebevollen Hintergrund bieten. Oft redet man von den großen Stars und Bühnenakts, die halt auch überregional anziehend wirken. Doch so eine Kirmes ist eben viel mehr!

DEEPS – die Party-Rock-Band rockte am Samstagabend den Marktplatz

Den großen diesjährigen Akt wollen wir aber nicht verschweigen. Dominik Naumann, Vereinsvorsitzender des Gewerbevereins Zwönitz, und ja sollte man sagen im Nebenberuf Braumeister und Gastwirt, hatte alle seine Kontakte spielen lassen, um den weithin bekannten Bernhard Brink auf die Bühne zu holen. Mit Erfolg! Nicht nur, dass der da war, sondern er ist auch wieder tierisch gut angekommen. Ein Profi des Schlagerzirkuses, beliebt bei Fans aus Nah und Fern. Von denen waren trotz des Wetters viele extra angereist und feierten mit den Zwönitzern Arm in Arm eine rauschende Party. Einfach ein gelungenes Fest!
Dass in diesem Jahr das Wetter nicht ganz so mitgespielt hatte, bleibt eine Randbemerkung und ist in Zwönitz eher eine Seltenheit. Insofern ist nach dem Fest vor dem Fest. Klar, es wird auch in 2026 eine Zwönitzer Kirmes geben und wir alle sind schon gespannt darauf, dann auch wieder mit einem Festumzug!

Bernhard Brink vor begeistertem Publikum am Sonntagnachmittag