von Falk Drechsel, Sehmatal-Cranzahl, Teil 3
Die Anfänge der Sozialdemokratie
Wie kam man in den 1880er Jahren dazu, einen „politischen Bezug“ zur Wiese herstellen zu wollen? Um das zu verstehen müssen wir die Geschichte der Sozialdemokraten und des Sports in Hormersdorf etwas beleuchten. Die Sozialdemokratie fasste in Hormersdorf in den 1890er Jahren Fuß. Eine wichtige Zweigarbeit war die der Arbeiterturner. Von ihnen wurde am 9. August 1913 der „Arbeiterturnverein Frisch Frei“ gegründet. Vorsitzender war Emil Drummer (1886-1926). Zu den weiteren Pionieren des Arbeiterturnens gehörten Emil Irmschler, Bruno Roscher, Emil Seidel, Otto Hilbert, Oskar Roscher, Karl und Albert Bretschneider, Oskar Weiß, Robert Drechsel, Otto Roscher, Linus Lieberwirth und Oskar Drechsel. Mit einfachsten Mitteln wurde zunächst im Garten des Gasthauses „Friedenseiche“ geturnt, später auch im Steinbruch.
1922 fand man im Oberdorf eine Wiese, die von der Gemeinde gepachtet wurde. Im Juli 1923 wurde dort ein Geräteschuppen errichtet. Heute befindet sich an dieser Stelle die ehemalige Seifert-Fabrik (Obere Dorfstraße 18), welche 1928 gebaut wurde. Auf dem Platz trainierten sowohl die Arbeiterturner als auch die bürgerlichen Turner bis 1925. Anfangs lag der Fokus auf Geräteturnen, Stab- und Keulenübungen sowie Gewichtheben. Aber auch Gesundheitspflege und Jugenderziehung spielten eine Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg kam zunehmend wettkampforientierter Sport hinzu – besonders Fußball. 1928 wollte ein Hormersdorfer den Platz erwerben, um dort ein Vierfamilienwohnhaus zu errichten. Die Gemeindeverwaltung war interessiert, den Platz zu verkaufen. Die Sportler aber wehrten sich, klagten vorm Amtsgericht – und bekamen Recht: Die Gemeinde durfte den Platz nicht verkaufen. Jedoch blieb das Verhältnis zwischen Gemeinde und Sportlern nachhaltig gestört.
Fortsetzung folgt
Zeitungsannonce von 1926
