
Wenn der Rassegeflügelzüchterverein Brünlos e.V. in diesen Tagen auf sein 125-jähriges Bestehen blickt, so ist dies weit mehr als nur ein kalendarisches Jubiläum. Es ist die Feier einer Gemeinschaft, die seit über einem Jahrhundert mit Ausdauer, Engagement und tiefer Verbundenheit zum ländlichen Raum das Dorfleben prägt.
Alles begann am 14. Januar 1901, als zwölf engagierte Männer um den ersten Vorsitzenden Ernst Kunz den Grundstein für den damaligen Kaninchen-, Geflügelund Vogelzuchtverein legten. Bereits zwei Wochen später erfolgte die offizielle Genehmigung durch die königlich-sächsische Amtshauptmannschaft Stollberg – allerdings verbunden mit der mahnenden Aufforderung, sich stets „anständig und ruhig zu betragen“. Diese Mitglieder hielten sich offenbar daran: Schon bald wuchs der Verein auf 36 Mitglieder an und veranstaltete bereits im Dezember 1901 die erste eigene Ausstellung. Damals kostete das Standgeld für ein Huhn noch zwei Mark, während die Mitglieder nur die Hälfte bezahlten.
Über die Jahrzehnte hinweg entwickelte sich ein reges Vereinsleben, das Höhen und Tiefen, wirtschaftliche Krisen und zwei Weltkriege überstand.
Ein besonders kurioses Kapitel stammt aus dem Jahr 1920: Ein Lehrer, dem es an eigenem Federvieh fehlte, stellte kurzerhand seine Katze in einem Käfig aus. Damit das Tier während der Schau ruhig blieb, erhielt es Schlaftabletten – und verschlief die gesamte Ausstellung. Zur allgemeinen Erheiterung wurde die Katze beim Erwachen sogar mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.
Neben solchen humorvollen Anekdoten stand jedoch stets die züchterische Facharbeit im Mittelpunkt. Schon in den 1930er Jahren leisteten Brünloser Züchter wie Otto Frank Pionierarbeit bei der Herauszüchtung blau-bindiger Lahore-Tauben, die es sogar bis zur „Grünen Woche“ nach Berlin schafften.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Vereinsleben 1947 wieder aufgenommen. In den schwierigen Nachkriegsjahren sammelten die Vereinsmitglieder Eier, um notleidende Menschen zu unterstützen – eine Aktion, aus der sich die bis heute gepflegte Osterhasentradition für Kindergarten und Grundschule entwickelte. Besonders die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt dem Verein am Herzen. Seit 2009 besteht ein Kooperationsvertrag mit der Grundschule Brünlos.
Auch die Erfolge der Brünloser Züchter können sich sehen lassen. Namen wie Jan Grießbach, der im Jahr 2000 den Championtitel der Taubenzucht in Nürnberg errang, Julian Horvath, der 2012 den Jugendsieger in Leipzig errang oder Reinhardt Weidauer, der 2019 den silbernen Siegerring gewann, stehen stellvertretend für die hohe Qualität der Zucht im Ort.
Heute zählt der RGZV Brünlos 55 Mitglieder und gehört damit zu den stärksten Vereinen im Kreisverband Stollberg. Trotz moderner Herausforderungen wie der Vogelgrippe oder der Corona-Pandemie, die das Vereinsleben zeitweise einschränkten, blickt die Gemeinschaft unter ihrem aktuellen Vorsitzenden optimistisch in die Zukunft. Das 125-jährige Bestehen ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Verbindung aus Fachwissen, Leidenschaft und geselligem Miteinander – ob bei gemeinsamen Wanderversammlungen bis hin zum traditionellen Wettkrähen an Himmelfahrt – ein zeitlos erfolgreiches Vereinsrezept bleibt.
Am 24. Januar 2026 wurde dieses Vereinsjubiläum in einem würdigen Rahmen im Volkshaus in Brünlos gefeiert. Geladene Gäste wie der 1. Beigeordnete des Landrates Peter Leichsenring, Bürgermeister Wolfgang Triebert und Ortschaftsrat Andreas Lasch gaben sich die Ehre. Auch Wolfram John als Vertreter des BDRG (Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V.) und des Landesverbandes, André Kugler vom Bezirksverband und Eckard Neubert vom Kreisverband folgten selbstverständlich der Einladung des Vereins. Ehrenmitglieder wie Rolf Klötzer, Bernd Weisbach und Friedbert Hanf wurden begrüßt und auch die befreundeten Vereine aus Dorfchemnitz, Hormersdorf und Zwönitz sowie Partner und Unterstützer feierten mit.
Und gefeiert wurde zünftig mit den Meinersdorfer Musikanten, die vor dem Essen aufspielten und somit schon ordentlich Stimmung in den Turnhallensaal brachten. Die Grußworte der Gäste lobten die Vereinsarbeit und würdigten das ehrenamtliche Engagement der vielen Züchter. Danilo Heller, 1. Vorsitzender des RGZV Brünlos, lud alle Anwesenden zu einem historischen Ausflug auf 125 Jahre Vereinsgeschichte ein, die auch in Bildern und Dokumenten durch Kerstin Andreis anlässlich dieser Feier ausgestellt wurden.
Der Abend wurde genutzt, um verdiente Mitglieder zu ehren. Der BDRG ehrte Joachim Fritzsch, Jan Grießbach und Karin Weidauer mit der Ehrennadel in Silber. Vom Landesverband erhielten Heidi Böhm, Bärbel Grießbach, Inge Heller und Danilo Heller die Ehrennadel in Gold. Kerstin Andreis, Florian Gebhardt, René Göthel, Sindy Göthel, Marco Irmscher, Andreas Lieberwirth, Andreas Neubert, Tino Oesterreich erhielten die Ehrennadel in Silber.
So ging ein wunderschöner Abend zu Ende, der allen in guter Erinnerung bleiben wird. Mit dieser Feierlichkeit endet nicht nur ein Jubiläum, sondern nach der letzten Ausstellung am 17./18.01.2026 in Hormersdorf (Bericht in der nächsten Ausgabe) auch eine erfolgreiche Ausstellungssaison. Die Züchter unserer Ortsvereine Zwönitz, Dorfchemnitz, Hormersdorf, Kühnhaide und Brünlos engagieren sich jedes Jahr in selbstloser Weise und unter erheblichen Zeitaufwand bei der Organisation dieser vielfältigen Schauen, die über die Ortsgrenzen hinaus weit bekannt und beliebt sind. Allen Mitgliedern dieser Vereine gebührt Dank und meine Anerkennung.
