von Falk Drechsel, Sehmatal-Cranzahl, Teil 5

Bau des Unterkunftsheims

Pläne von Baumeister Georg Strobel zum neuen Anbau, um 1928
Der Wirt vom „Roten Ochsen“ Oskar Drechsel (1892-1968) und seine Frau Zilla (1893-1947)

Auf dem benachbarten Gelände der seit 1893 stillgelegten Dynamitfabrik (später Kindererholungsheim, heutige Jugendherberge) standen Baracken, die früher zur Herstellung des hochexplosiven Sprengstoffes dienten. Als die Gifthütte 1924/25 zum Kindererholungsheim wurde, brauchte man die Baracken nicht mehr. Für den Auf- und Ausbau der Ochsenwiese wurden zwei dieser Baracken von der Sportvereinigung e.V. erworben und mit Mühe zu einem großen Lager verbunden. Diese Räume wurden dann als Umkleide und für Material genutzt. Um 1927 wurde dann ein größerer Anbau an die alte Baracke angeschlossen, die Pläne stammten vom Auerbacher Baumeister Georg Strobel. An der Giebelseite, unter dem Dachfirst, wurde später ein großes Schild angebracht, welches die Aufschrift „Unterkunftsheim der Sport-Vereinigung Hormersdorf e.V.“ trug. Dieser schöne neue Raum wurde vor allem sonntags als Gaststätte genutzt. Am 7. Juli 1927 erhielt das Unterkunftsheim eine Ausschankgenehmigung der Amtshauptmannschaft. Die Wirtschaft führten Oskar und Zilla Drechsel. Oskar Drechsel war seit Mai 1926 auch Vorsitzender der Sportvereinigung. Mit der Ochsenwiese hatten nun die sozialdemokratischen Sportler eine feste Bleibe gefunden.

Mit einem Schmunzeln kann man heute Kantinenbesteck vom „Roten Ochsen“ betrachten. Die eingeprägte Schrift „GESTOHLEN VOM ROTEN OCHSEN“ sollte jeden Gast gleich abschrecken, damit er gar nicht erst auf den Gedanken kam, das Besteck zu entwenden. Als das Unterkunftsheim 1933 geräumt werden musste, nahm der Wirt Oskar Drechsel das Besteck mit und verteilte es an die ehemaligen Vereinsangehörigen, so blieb ein Stück Geschichte bewahrt.

Fortsetzung folgt