
Das ist längst kein Geheimtipp mehr! Bereits zum wiederholten Mal versammelten sich Interessierte, um in die filmische Vergangenheit von Zwönitz einzutauchen – und erneut zeigte sich, wie viel Geschichte in alten Filmrollen steckt. Was heute wie selbstverständlich wirkt, ist es tatsächlich nicht. Denn viele der gezeigten Filme wären beinahe für immer verloren gewesen. Nach der Wende standen die Materialien des einstigen Filmclubs des VEB Messgerätewerk Zwönitz buchstäblich vor der Entsorgung. Nur dadurch, dass sich Dr. Clauß kurzfristig entschied, das Archiv in letzter Minute zu retten und aufzubewahren, konnten diese einzigartigen Zeitdokumente erhalten bleiben. Und nicht nur das. Er widmet seitdem unzählige Stunden seiner Freizeit der aufwendigen Digitalisierung und Restaurierung. Mit teils selbst entwickelter Technik überträgt er empfindliche Schmalspurfilme in digitale Formate – ein Prozess, der Geduld, Fachwissen und viel Liebe zum Detail erfordert. Jeder Film wird individuell bearbeitet, Schäden werden reduziert, Farben vorsichtig rekonstruiert, ohne den ursprünglichen Charakter zu verfälschen. Der Abend begann mit dem Film „Lichtlobnd in der Gaststätte zur Börse“ (1998), der zunächst noch einmal die Weihnachtszeit in den Blick nahm. Etwas ungewöhnlich für den Frühlingsanfang; das war dem Umstand geschuldet, dass dieser Film erst kürzlich digitalisiert wurde. Es folgte der Film „450 Jahre Marktrecht“ (1995), der eindrucksvoll zeigt, mit wie viel Liebe und Blick fürs Detail die Zwönitzerinnen und Zwönitzer dieses Ereignis gemeinsam vorbereiteten und mit Hilfe vieler Beteiligter liebevoll umsetzten. Immer wieder wurde es unruhig, wenn unter den Gästen ein bekanntes Gesicht auf der Leinwand entdeckt wurde. Doch das besondere Highlight des Abends waren bislang unveröffentlichte Filmschnipsel, die in kurzen Szenen ein Fenster in den Alltag einer Brigade des Messgerätewerk Zwönitz öffneten – jenseits offizieller Festlichkeiten. Zu sehen waren unter anderem Personen beim Montieren und Löten verschiedener medizinischer Geräte vom Stiftgalvanometer, über das röhren-bestückte Universalsichtgerät für die Medizintechnik bis hin zum Biomonitor. Auch Momente der Mittagspause und ein winterlicher Betriebsausflug in die Gaststätte „Köhlerhütte“, sowie ein Ausschnitt als Patenbrigade in der Schule waren zu sehen. Gerade diese scheinbar unspektakulären Augenblicke machten den Abend besonders, weil sie auf den Alltag blickten und unaufgeregt und nahbar die damalige Zeit und die handelnden Personen abbildeten. Die Filme des Zwönitzer Filmarchivs sind weit mehr als nostalgische Rückblicke. Sie erzählen von einer Zeit, in der Betriebe wie das Messgerätewerk das soziale und wirtschaftliche Leben der Stadt prägten. Viele Amateurfilme aus dieser Zeit verschwanden über Jahre „in der Versenkung“ und wären ohne Initiativen wie diese kaum noch zugänglich.
Heute stehen sie wieder allen offen: Auf der Website des Zwönitzer Filmarchivs https://zwoenitzerfilmarchiv. de können Interessierte die aufwendig restaurierten Filme jederzeit auch von zu Hause aus ansehen – kostenfrei und stetig erweitert. Der Filmabend zeigte einmal mehr, dass Geschichte nicht trocken sein muss. Sie lebt – in bewegten Bildern, in Erinnerungen und im Austausch zwischen den Generationen. Wir bedanken uns ausdrücklich bei Dr. Clauß, der mit den Filmen Zeitzeugnisse bewahrt und damit auch ein Stück Zwönitzer Geschichte wieder sichtbar macht. Und gern schauen wir uns beim nächsten mal die nächsten Zeitzeugnisse gemeinsam an.
Text/Bilder: Zwönitz Miteinander e. V.
