
Wilhelm Drummer, 1877-1926
In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1926 wurde Hormersdorf von einem tragischen Gewaltverbrechen erschüttert, das weit über den Ort hinaus Aufmerksamkeit erregte. Ein paar zeitgenössische Zeitungsberichte schildern die Ereignisse, die einem Familienvater das Leben kosteten. Drei fremde junge Männer waren in jener Sommernacht in Hormersdorf unterwegs und hatten sich zuvor sowohl in einer Schankwirtschaft in Hormersdorf als auch im Tanzsaal des Gasthofes im benachbarten Günsdorf aufgehalten.
Gegen halb ein Uhr nachts zogen die drei Männer einer anderen Gruppe hinterher, die sich in Richtung Hormersdorf aufmachte. Unter dieser anderen Gruppe war auch der 25jährige Erich Drummer. Auf der Dorfstraße kam es schließlich zu einem Streit.
In dessen Verlauf wurde Erich Drummer von einem der Beteiligten grundlos angerempelt. Als er sich dagegen verwahrte, eskalierte die Situation: Der Angreifer schlug mit einem Stock auf ihn ein. In diesem Moment kam zufällig der Vater von Erich Drummer, der Maurerpolier Wilhelm Drummer, hinzu, der sich auf dem Heimweg vom Wirtshaus befand. Er versuchte offenbar, die Auseinandersetzung zu schlichten und stellte den Angreifer zur Rede.
Doch statt einer Beruhigung der Lage kam es zur Katastrophe. Der Täter zog eine Schusswaffe und gab mehrere Schüsse auf Vater Wilhelm Drummer ab. Ein Bauchschuss verletzte ihn schwer. Wilhelm Drummer sollte am 12. Juli zur Behandlung nach Chemnitz gebracht werden, doch er erlag auf dem Transport in Burkhardtsdorf seinen Verletzungen.
Die Tat löste große Bestürzung in der Bevölkerung aus. Die Behörden nahmen umgehend Ermittlungen auf. Bereits kurze Zeit später gelang es der Gendarmerie, die Tatverdächtigen zu ermitteln und festzunehmen. Es handelte sich um drei junge landwirtschaftliche Arbeiter aus Meinersdorf. Als Haupttäter wurde der 21-jährige Dienstknecht Ludwig Weidel aus Osterhofen in der Nähe von Passau benannt.
Der Maurerpolier Friedrich Wilhelm Drummer, genannt „DrummerFried-Wilhelm“, 48 Jahre alt, wurde am 15. Juli in Hormersdorf beigesetzt, er hinterließ die Witwe Alwine Drummer, die Söhne Erich und Max und einen Enkelsohn.
Der Vorfall zeigt auf erschütternde Weise, wie schnell eine zunächst alltägliche Auseinandersetzung in tödliche Gewalt umschlagen kann. Für die Familie des Opfers bedeutete die Tat einen schweren Verlust, für die Dorfgemeinschaft einen tiefen Einschnitt.
Heute, 100 Jahre später, ist das Geschehen weitgehend in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger erscheint es, an solche Ereignisse zu erinnern – nicht zuletzt als Mahnung vor den Folgen unkontrollierter Gewalt.
• Dresdner Neueste Nachrichten vom Mittwoch 14. Juli 1926, Nr. 162
• Anzeiger und Wochenblatt Unparteiisches Wochenblatt der Orte Gornsdorf, Meinersdorf, Auerbach und Hormersdorf Dienstag 13. Juli 1926, Nr. 60
• Burkhardtsdorfer Zeitung Mittwoch 14. Juli 1926, Nr. 56
von Falk Drechsel
