Normalerweise findet der Deutsche Mühlentag am Pfingstmontag statt, normalerweise kommen Mühlenbegeisterte von überall, um die Papiermühle Niederzwönitz und die Knochenstampfe Dorfchemnitz in Aktion zu erleben, normalerweise laufen an dem Tag die Maschinen heiß und die Museumsmitarbeiter werden heiser nach zahlreichen Führungen mit hunderten Besuchern.

Doch was ist schon normal in Zeiten von Corona-Schutz-Verordnungen, 3G-Regeln und Maskenpflicht? Es scheint keiner mehr zurechtzukommen, angesichts ständig neuer Hygienevorschriften, verschobener Feste und begrenzten Teilnehmerzahlen…

Nicht durchdacht und schlecht beworben war die Entscheidung vom Deutschen Mühlenverband, den diesjährigen Mühlentag auf den Tag des offenen Denkmals zu verlegen. Das Museumsteam der HEIMATWELTEN Zwönitz hatte ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt: Hähnewettkrähen, handgemachte Musik und Verköstigung an der Knochenstampfe Dorfchemnitz; Führungen, Papierschöpfen und Kino auf der Pappleinwand mit dem DEFA Film von 1975 „Die schwarze Mühle“ in der Papiermühle Niederzwönitz. Einige Zwönitzer kamen vorbei, doch das Besucheraufkommen hielt sich Grenzen – kein Vergleich zu den Mühlentagen der vergangenen Jahre. Schade, aber nicht verwunderlich. Es hat keiner erwartet oder durch die Medien mitbekommen.

Überwältigend hingegen war das Interesse an der Führung zum Tag des offenen Denkmals in der Austelvilla. Pro Führung konnten maximal 20 Personen mitgenommen werden und logistisch hätte sich an dem Tag nur eine Führung realisieren lassen, da parallel Personal in den Mühlen gebraucht wurde. Am Ende waren es doch 2 Führungen mit jeweils 21 Teilnehmern und dreimal so viele Anfragen von Besuchern, die sich gern einer weiteren Führung angeschlossen hätten. Das Programm wurde zu Beginn des Jahres beim Organisator des Denkmaltages, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angemeldet. Das Motto lautete „Sein und Schein in Kunst und Architektur“. Die Austelvilla bot sich wie kein anderes Denkmal an und verzauberte auch die Jury der Stiftung, denn diese wählte die Führung in der Fabrikantenvilla als das Veranstaltungshighlight in Sachsen aus – eine große Ehre für den „Prunkbau in der Provinz“, wenn man bedenkt, dass Sachsens berühmte Schlösser und Kirchen ebenfalls ihre Türen öffneten. Besucher kamen aus ganz Deutschland, um in der 60minütigen Führung etwas über die Familie Austel, die Villa und den Park zu erfahren. Sie waren überrascht von den italienischen Einflüssen inmitten der Montanlandschaft des Erzgebirges und erstaunt über den Reichtum und die Bildung der Textilfabrikanten, der sich heute noch in der erlesenen, kunstvollen Ausstattung der Villa ablesen lässt. Jedes Detail wurde aufmerksam studiert, der originale Fließen- und Parkettfußboden bewusst wahrgenommen, die aufwendigen Stuckdecken mit Blicken abgetastet. Auch für Zwönitzer gab es noch Neues zu entdecken und Bekanntes neu zu betrachten – ein Perspektivwechsel, der sich gelohnt hat, denn die Besucher spendeten nicht nur ihre volle Aufmerksamkeit, sondern auch Geld für die Restaurierung eines originalen Bleiglasfensters der Austelvilla, das wieder eingesetzt werden soll. Um ausreichend Spendengelder dafür einzusammeln, wird das Museumsteam noch weitere Führungen in der Austelvilla und im Austelpark zu ausgewählten Anlässen anbieten. Die Termine werden auf www.zwoenitz.de bekannt gegeben und Anfragen von Gruppen bis 20 Personen unter 037754-2690 oder p.stoetzer@zwoenitz.de gern entgegengenommen.

Das Museumsteam freut sich schon auf nächstes Jahr und hofft, den Mühlentag wie gewohnt zu Pfingsten mit vielen Besuchern feiern und den Tag des offenen Denkmals am 2. Sonntag im September wieder mit einer Sonderführung bereichern zu können.

Museumsleiterin Paula Stötzer (Mitte) begrüßte die zahlreichen Gäste zu Ihrer Führung vor der Austel Villa.
Auch kleine, besondere Details konnten bei dem Rundgang durch Villa und Park bestaunt werden.
Auch in der Papiermühle gab es für die Gäste viel zu bestaunen.