
Im Vorfeld der Stadtratssitzung vom 24. Juni wurde be- reits außergewöhnlich viel über die verschiedenen Medien publiziert. Das Thema Windkraft polarisiert die Einwohner, wie kaum ein anderes. Sowohl Bürgermeister Wolfgang Triebert verwies in der Ausgabe 22 des Zwönitzer Anzeigers auf die schwierige Gemengelage als auch die Freie Presse und andere Medien. Immer klarer wird, dass ein klares „Ja“ oder „Nein“ zur Windkraft im Rahmen der bestehenden Bundes- und Landespolitik nicht möglich sein wird und nur ein Kompromiss zwar keine befriedigende, aber eine für die meisten Einwohner akzeptable Lösung sein kann. Über 50 Gäste verfolgten daher gespannt das Ringen ihrer gewählten Bürgervertreter um eine vernünftige Lösung. Wie schwer diese zu fin- den ist, belegen einerseits die dreieinhalbstündige Diskussion, die zu diesem Tagesordnungspunkt geführt wurde und zum anderen der sper- rige Titel „Bebauungsplan ‚Niederer Halsbach‘ – Bestätigung der Pla- nungsziele und Beauftragung der Planerstellung“. Noch vor Eintritt in die Tagesordnung wurde seitens der AfD eine Verta- gung dieses Themas beantragt, um – so die Begründung – Zeit zu ge- winnen und noch die Beantwortung einiger Fragen zu klären. Dazu wurden sieben Fragen seitens der AfD auf Papier gebracht. Bürgermeis- ter Wolfgang Triebert beantwortete diese jedoch spontan gemeinsam mit dem anwesenden Rechtsanwalt Dr. Vetter und Herrn Naumann vom Büro für Städtebau, dem beauftragten Planungsbüro. Die vielen im Vorfeld geführten Treffen und Diskussionsrunden beschäftigten sich bereits mit diesen Fragen. Ausschüsse berieten, die Fraktionen saßen mehrfach zusammen, auch gemeinsam mit geladenen Gästen. Die Bür- gerinitiative Gegenwind nahm ebenfalls einen Gesprächstermin beim Bürgermeister im Vorfeld wahr. Daraus resultierend konnte ein umfangreiches Wissen zur Materie auf- gebaut werden. So plädierte Wolfgang Triebert gegen eine Vertagung dieses Beschlusses. Er machte deutlich, dass hierdurch wertvolle Wo- chen verloren gehen, die aber für eine gewissenhafte Planung der nächsten, möglichst rechtssicheren Schritte zwingend notwendig sind. Daraufhin wurde die Vertagung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Zu Beginn des Tagesordnungspunktes wies Bürgermeister Wolfgang Triebert noch einmal darauf hin, dass bereits ein Antrag zum Bau von 7 Windkrafträdern seit 2023 beim Landratsamt vorliegt und nur deshalb nicht bearbeitet wird, weil die Stadt Zwönitz für dieses Gebiet eigene Planungen beschlossen und dafür eine Veränderungssperre erwirkt hat. Der Verwaltung ist dabei bewusst, dass man Windräder in dem vom Re- gionalen Planungsverband ermittelten Suchraum für Windenergieanla- gen nicht ganz verhindern kann. Es bestehen möglicherweise aber gute Chancen, die Anzahl auf jene 3 Anlagen zu verringern, welche den größten Abstand zur Wohnbebauung haben sowie die landschaftlich und ökologisch wertvollen Flächen rund um den Niederen Halsbach von einer Bebauung freizuhalten. In der Sitzung wurde deutlich, dass es viele Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen gibt. Eine Hoffnung war, dass der zukünftige Regionalplan in Zwönitz keine Windvorranggebiete mehr ausweist und somit gar keine Windräder ge- baut werden dürften. Hier erklärten der Planer und Bürgermeister Trie- bert, dass es dafür keinerlei Anzeichen gäbe und genau aus diesem Grund der Stadtrat vom Recht der kommunalen Planungshoheit Ge- brauch machen sollte. Auf Nachfrage betonte der Anwalt, dass man hierbei aber immer den aktuellen Stand der übergeordneten Planungen beachten muss. Dies sei aktuell auch der vom Regionalen Planungsver- band ausgewiesene Suchraum für ein Windenergiegebiet auf besagter Fläche. Als Befürchtung wurde geäußert, dass die Planung dieser 3 Windräder die Genehmigung weiterer Windenergieanlagen wahrscheinlicher macht und dadurch das Landschaftsbild noch mehr leidet. Der beraten- de Rechtsanwalt entkräftete diese Befürchtung und nannte sogar den Vorteil, dass man bei Ermöglichung von 3 Windrädern eine bessere Ver- handlungsposition gegenüber dem Regionalen Planungsverband hat, um die Reduzierung des geplanten Windenergiegebietes auf den Standort der 3 Anlagen zu erreichen. So wurden viele Fragen von Bürgern und Stadträten umfangreich be- antwortet und viel diskutiert. Eine Wortmeldung von Stadtrat Andreas Lasch verdeutlichte die schwierige Situation für die bevorstehende Ab- stimmung. „Ich weiß nicht, wie ich entscheiden soll. Ich habe gegen ei- ne Vertagung gestimmt, weil wir im Thema weiterkommen müssen. Für Brünlos kann ich sprechen, dass wir gar keine Windkraft wollen. Aber was kann ich tun? Ich kann gegen alles stimmen. Klar, aber bringt das was oder verschlimmere ich damit die Gesamtlage? Wir können den Bürgern nichts zusichern. Ich appelliere aber an alle Bürger, dass unsere Entscheidung respektiert wird. Keiner von uns hat es sich damit leicht gemacht.“ Genau aus diesem Grund hat Stadtrat Wolf- gang Schmidl einen An- trag auf geheime Ab- stimmung eingebracht. „In Anbetracht der weit- reichenden Folgen der Abstimmung und der damit verbundenen see- lischen Belastung er- scheint es als angemes- sen, darüber in geheimer Wahl abzustimmen…. Die geheime Abstim- mung dient dem Schutz des freien Willens der Ratsmitglieder. Sie soll verhindern, dass Einzelper- sonen aufgrund von Druck oder Erwartungen von außen gezwungen werden, für oder gegen einen bestimmten Antrag zu stimmen“. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Letztendlich fiel das mit Spannung erwartete Auszählungsergebnis nach der geheimen Abstimmung mit 12 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen zugunsten des Kompromissvorschlages aus. Im Endergebnis wurde also der Bürgermeister beauftragt, die Büro für Städtebau GmbH mit den nächsten Planungsschritten zu beauftragen. Die Freie Presse kommentierte diese Entscheidung als strategisch klu- gen Kompromiss. Es wird nun ein Vorentwurf erarbeitet, welcher westlich der Staatsstraße 3 Windenergieanlagen vorsieht, aber die östlich von der Staatsstraße ge- legenen Flächen von Windenergieanlagen freihält. Darüber hinaus unter- stützt der Stadtrat die Bestrebungen des Vereins „Pro Naturschutz Sach- sen e.V.“, das bestehende Landschaftsschutzgebiet „Rosenthal Heiliges Holz“ auf das gesamte Streitwaldgebiet auszuweiten und somit die Be- bauung von Windkraftanlagen in diesem Gebiet zu verhindern. Gegen Ende des Jahres wird der Stadtrat über den Vorentwurf ent- scheiden müssen. Auch das Thema Fuchsbrunnbrücke bewegt viele Gemüter. Dieses ein- zigartige Baudenkmal besuchen jährlich viele Einheimische sowie Tou- risten und die angrenzenden Städte bemühen sich seit Jahren um die Gelder für die dringend notwendige Sanierung. Am 11. Juni 2025 teilte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr dem Bürgermeister telefo- nisch mit, dass ein Widerruf des bereits erteilten Fördermittelbeschei- des zum Lückenschluss auf der regionalen Hauptradroute Chemnitz- Karlovy Vary komme, wenn dieser nicht bis Jahresende umgesetzt wür- de. Da die bewilligten Mittel für die mehrere Millionen teure Sanierung bei weitem nicht reichen, bedeutet diese Nachricht das Aus aller Hoff- nungen, die Radroute über die sanierte Fuchsbrunnbrücke führen zu können. Für die Verwendung der bewilligten Mittel müssen daher Alternativen gesucht werden. Dazu hat die Verwaltung nach Gesprächen mit Eigen- tümern und Behörden eine tragfähige Lösung zur weitläufigen Umfah- rung der Brücke über den sog. Kühnhaider Steig gefunden. Dabei sollte die geplante Aussichtsstelle an der Brücke integriert werden. Stadtrat Ralf Steudten brachte eine Idee als Antrag ein, wonach die Ver- waltung als Vorzugsvariante eine Fußgängerbrücke neben der Fuchs- brunnbrücke untersuchen soll. Bürgermeister Wolfgang Triebert sieht in dem Antrag die Chance, damit einen touristischen Höhepunkt zu ge- stalten, der zum Beispiel durch eine Hängebrücke umgesetzt werden könnte. Der Antrag von Ralf Steudten wurde einstimmig angenommen und gleichzeitig die Zusicherung erteilt, sich seitens der Verwaltung um wei- tere Gelder zu bemühen, um dem Verfall der Fuchsbrunnbrücke entge- genzuwirken.
