Im Jahr 1870 brach der Deutsch-Französische Krieg aus. Wilhelm Lieberwirth, zog als Soldat in den Krieg, genauer gesagt als Ulan (ein Reitersoldat) in der sächsischen Armee, die Teil des deutschen Heeres war. In den blutigen Schlachten von Weißenburg, Wörth und schließlich bei St. Privat und Sedan kämpfte er tapfer. Doch bei einem Patrouillengang wurde Wilhelm mit einigen Kameraden von den Franzosen gefangen genommen. Zunächst sah es schlimm für die Männer aus – man wollte sie kurzerhand erschießen. Sie wurden bereits an eine Mauer gestellt, als plötzlich aus der Nähe Gewehrfeuer zu hören war – offenbar von deutschen Truppen. Die Franzosen entschieden sich daraufhin um und nahmen die Gefangenen mit. 
Nach vielen Strapazen und langen Transportwegen wurden Wilhelm und andere deutsche Soldaten schließlich nach Nordafrika verschleppt – auf eine kleine Insel vor Algier, die später von den Gefangenen „Kaffeeinsel“ genannt wurde. Dort begann eine grausame Zeit: unter brennender Sonne, bei harter Arbeit, schlechter Behandlung und kaum genug zu essen oder zu trinken mussten die Männer überleben. Die französischen Aufseher behandelten die Gefangenen wie Sklaven. Obwohl der Krieg längst vorbei war und im Frieden von Frankfurt vereinbart worden war, dass alle Kriegsgefangenen heimkehren dürften, hielt Frankreich viele von ihnen zurück – sie wurden als billige Arbeitskräfte in den Kolonien gebraucht. Deutschland hatte seine Verpflichtung erfüllt und alle Gefangenen entlassen. Frankreich hingegen brach das Abkommen in vielen Fällen – und so blieb auch Wilhelm weiter gefangen. Kriegsteilnehmer 

Bild: Karl Weisbach *1846, „Richte-Karl“ genannt.

Text/ Bild: Falk Drechsel