Alle die, die zwischen 1945 und 1949 in Hormersdorf die Schule besuchten, haben den Schulleiter Johannes Rößler gekannt. Den wenigsten dürfte aber der weitere Lebensweg des Pädagogen bekannt sein. Dies wird sich jetzt ändern. 
Am 6. Juni 1915 wurde Johannes Rößler in Neustadt bei Chemnitz als Sohn des Schlossers Willy Rößler und seiner Frau Gertrud, geb. Dreher, geboren. Nach Schulzeit und kaufmännischer Lehre folgten Militärdienst und Kriegsjahre, die ihn bis 1945 prägten. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft, aus der er am 30.6.1945 entlassen wurde, kehrte er in seine erzgebirgische Heimat zurück. Von Juli bis September 1945 war er als Demontagearbeiter in Stollberg tätig. Ab September 1945 begann ein neuer Lebensweg, der auch mit Hormersdorf verbunden ist.

Das Hormersdorfer Lehrerkollegium im Sommer 1947, v. li. Heinz-Werner Baer, Hans Otto, Dora Kürth, Edith Pietzsch, Schulleiter Johannes Rößler, Hanna Lasch, Fredy Drechsel, Hans Diener, Eberhard Thierfelder, Johanne Hahn

Von September 1945 bis 1949 war Johannes Rößler – „dr Rößler-Hans“ wie er in Hormersdorf genannt wurde – Neulehrer und Schulleiter an der Grundschule in Hormersdorf. Ohne eine Ausbildung zum Lehrer und lediglich mit einem Obersekundaabschluss (heute 11. Klasse) in Stollberg wurde Hans Rößler Lehrer. In dieser Zeit engagierte er sich nicht nur für den Neuaufbau des Schulbetriebes in Hormersdorf, sondern auch für das öffentliche Leben im Ort. Er gehörte zu den prägenden Gestaltern der Nachkriegsjahre in Hormersdorf und war zeitweise Vorsitzender des örtlichen SED-Verbandes und Mitglied der Kreisleitung Stollberg. Seine Tätigkeit als Lehrer und Gestalter des Gemeinschaftslebens legte den Grundstein für seine weitere Laufbahn.

Schule Hormersdorf, um 1950

Am 1.5.1949 wechselte Rößler als Kreisschulrat nach Oelsnitz im Vogtland. Fredy Drechsel übernahm seine Aufgaben für kurze Zeit in Vertretung bis bald darauf Gerhard Stein zum Schulleiter bestellt wurde. 
Johannes Rößler wechselte bald in die Bildungsarbeit nach Berlin. Dort arbeitete er zunächst im Verlag „Volk und Wissen“ und später an der Hochschule für Ökonomie. 
Schon 1957 promovierte er über die Berliner Arbeiterbewegung, 1958 wurde er Professor für Wissenschaftlichen Sozialismus. Darauf übernahm er führende Aufgaben in der Hochschulpolitik. Von 1958 bis 1962 war er Rektor der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst

Zwei Bücher aus der Feder von Johannes Rößler.

1964 folgte der Ruf an die Karl-Marx-Universität Leipzig. Dort leitete er bis 1980 das Herder-Institut, das sich auf die Ausbildung ausländischer Studierender konzentrierte. Gleichzeitig wirkte er als Professor für Geschichte der Neuzeit und später für Theorie und Praxis der internationalen Beziehungen. Auch nach seiner Emeritierung blieb er wissenschaftlich und publizistisch aktiv. 

Seine Arbeit brachte Rößler zahlreiche Ehrungen ein, darunter mehrere Stufen der Pestalozzi-Medaille, den Vaterländischen Verdienstorden sowie den Orden „Stern der Völkerfreundschaft“. Er veröffentlichte eine Vielzahl von Büchern und Aufsätzen, unter anderem zu Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck und prägte über Jahrzehnte die Fachzeitschriften „Deutsch als Fremdsprache“ und „Sprachpraxis“. Professor Dr. Johannes Rößler verstarb am 30. Juni 1995 in Leipzig.