
6. Zwönitzer Rennwolfrennen...
Rennende Wölfe in Zwönitz? Nein, natürlich nicht, noch hat der Miriquidi, der einstige erzgebirgische Urwald, die Städte und Dörfer des Erzgebirges nicht zurückerobert, dass nun wieder die Wölfe auf verlassenen Straßen heulen. Ganz im Gegenteil! Vor mehreren hundert begeisterten Zuschauern kämpften Teams von bunt geschmückten Gestalten um Zehntelsekunden – im Wettstreit, wer am schnellsten auf einem recht eigenwilligen Gefährt namens „Rennwolf“ die ca. 100 Meter der Langen Gasse bis zum Markt bewerkstelligen könnte. Welch eine Gaudi!
Jedenfalls ist der „Rennwolf“ in Zwönitz Legende. Der Schlitten – ganz offensichtlich einem skandinavischen Hundeschlitten nachempfunden, so mit Sitzaufbau vorn und langen Kufen nach hinten, wo man sich, geht’s bergab, auch mal draufstellen kann – wurde den Chroniken zufolge spätestens seit 1906 vom Stellmacher Kurt Michel in der Dreirosengasse gefertigt. Aber wahrscheinlich ist er sogar noch älter. 1892 hatte ein gewisser Kurt Trennwolf aus Plauen, vormals Geselle beim Stellmacher Kurt Becher, in der Dreirosengasse eine eigene Stellmacherei gegründet. Auf ihn, zumindest legt das der Name nahe, könnte das Schlittengefährt zurückgehen.
Fakt ist, dass die Stellmacherdynastie Michel die Schlitten bis in die Neuzeit um 2001 baute und ins ganze Erzgebirge lieferte. Die waren nämlich sehr praktisch, konnte man doch allerhand Gepäck bis hin zum Kleinkind vornedrauf packen und auch bei Eis und Schnee so seiner Wege ziehen. Bis in die 1980er-Jahre gehörten sie im Winter zum Zwönitzer Straßenbild – bis Streusalz, Räumpflichten und ein überbordender Autoverkehr einen Einsatz unmöglich machten.
Aber wie das halt so ist, Legenden leben länger. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Zwönitzer Gewerbeverein das Gefährt wieder hervorholte, mit Laufrollen versehen straßentauglich machte und einen Wettbewerb, alljährlich am 4. Advent, auslobte.
Mit großer auch medialer Resonanz fand das Rennen nun schon zum 6. Mal statt, wofür mal wieder die Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt werden musste. Nicht wenig Aufwand, kostet so eine „Verkehrsrechtliche Anordnung“ und sei es nur für Stunden heute mal schnell tausend Euro. Dazu noch ein paar Würstel- und Getränkebuden, entsprechende Technik und Beschallung und bestimmt nicht zuletzt der Auftritt der Zwönitzer Tanzmäuse (Bild) – und schon war es angerichtet und wurde von unserem allerbesten Marktplatzsprecher Marco Nobis begleitet.
20 Teams waren am Start. Mit dabei bugsierte ein Lebkuchenmann einen Weihnachtsbaum, der Olaf seine Eiskönigin, ein Schwammesucher seinen Fliegenpilz und die Betonbrüder kämpften in Bauklamotten, während das „Dream Team“ des Tennisvereins „Steffi Mc’el-Graf“ überdas Straßenpflaster hievten. Ach ja, und ein Rupprich namens Frank Börner trat mit Wichtel Luis an und auch zwei weitere Weihnachtsmänner, die „Fabulous Christmas Boys“ wollten den Sieg unbedingt mit in ihre Hütte im Wald nehmen.
Wer nun denkt, die 100 Meter, die seien doch gar nichts, der hat zumindest vergessen, dass die Strecke bergauf geht und auch noch eine Kurve zu bewerkstelligen ist. Die machte den Teilnehmern ganz offensichtlich tüchtig zu schaffen, dass sich schnell die Spreu vom Weizen trennte.
Zeitschnellster Sieger wurde das Team „NeukOli“ mit Marek Neukirchner und Mia Krebs, die gerade mal 16 Sekunden brauchten. Der Preis für das beste Kostüm bei den Kindern ging an das Team „Ungenießbar“ mit Pilz Ole und Pilzsucher Florian Göthel.
Den Preis fürs schönste Kostüm bei den Erwachsenen erhielt Olaf und seine Eiskönigin – Michelle und Norman Schmidt von physioaktiv.
Die Erfinder des „Rennwolfs“ schauen nun sicher mit gewisser Befriedigung vom Himmel herunter. Ja, die Tradition lebt und die Nachfahren sind ganz offensichtlich auf eine Zeit mit wiederkehrenden strengen Wintern, ohne Autos und zivilisatorischen Schnickschnack, eingerichtet. Da kann doch gar nichts mehr schiefgehen!
... und 26. Zwönitzer Stollenkönig
Zwönitz hat 2025 eine Stollenkönigin! Die Krone ging diesmal nach Crottendorf zu Anja Melzer (Bild) für ihren selbst kreierten Stollen ganz nach Mutters Rezept, aber mit einem Guss nach eigener Idee. Das hat eingeschlagen bei den vielen Zwönitzern, die extra nach dem Rennwolfrennen geblieben waren, um auch diesem Wettbewerb beizuwohnen. Wobei „beiwohnen“ die Sache nicht richtig beschreibt.
Immerhin konnte ein jeder von den 22 eingereichten Stollen – darunter auch solche von tatsächlichen Profis – kosten und dann seine ganz persönliche Bewertung abgeben. Da gehen ganz schnell die Ansichten auseinander, hat doch ein jeder auch so seine Vorlieben. Der eine mag mehr, der andere weniger Rosinen – der eine mag es fettiger, der andere weniger mächtig.
Aber die Stimmauszählung war eindeutig, wenngleich auch andere hohe Bewertungen erfuhren. Und so gehörte im Jahr 2025 Anja Melzer der Preis und die Ehre, das allerbeste Weihnachtsgebäck gezaubert zu haben.
Dass es mit dem Stollen ja so seine tiefere Bewandtnis hat, ist allgemein bekannt. Zuerst ist es wohl ein Opfergebäck: Backwaren, die in vielen Kulturen, von den Ägyptern und Babyloniern bis hin zu Kelten und Germanen üblich waren. Man bereitete sie zu besonderen religiösen Zeremonien, zu Festen oder zur Verehrung der Götter, hergestellt aus Mehl, Honig und getrockneten Früchten. In Skandinavien gibt es auch das Julbrot, das zum Weihnachtsfest (dort in nordischer Tradition noch Julfest genannt) gebacken wird.
Und bei uns im Erzgebirge, ja, bis weit hinein nach Sachsen, gar bis nach Dresden, gibt es halt den Weihnacht- soder Christstollen. Ganz offenbar eine sehr alte Tradition, die noch lebt und der man sich mit Hingabe widmet. Und so machen sich bis heute viele in der Vorweihnachtszeit darüber her und schaffen, nicht zuletzt auch mit Omas altem Rezept, ihre ganz eigenen Kreationen. Nein, da sollte man auch nicht reinreden, da hat jeder sein Eigenes und so soll es auch sein. Das war ja auch der Vorteil des Events auf dem Marktplatz – man konnte mal ein wenig herumprobieren!
So gesprochen können wir nur dazu aufrufen, doch gerne auch am 4. Adventsonntag 2026 teilzunehmen und so seine Verbundenheit mit der Tradition zu demonstrieren und dem Spaß an der Sache zu folgen.
Das Resümee ist positiv! Eine gelungene Veranstaltung über die Stadtgrenzen weit hinaus. Denn, dass sogar der weithin bekannte MDR-Moderator Silvio Zschage mit seinem Musikmobil extra angereist kam, ist kein Zufall. Irgendwie muss es ihm in Zwönitz ganz besonders gefallen, immerhin ist die markante und angenehme Stimme hier des Öfteren zu hören. Und die Zwönitzer mögen ihn, ob seiner Verbundenheit ja auch ganz besonders. Und er macht uns und unsere Veranstaltungen tatsächlich weithin bekannt, verleiht ihnen Glanz.
Dieses Jahr gilt aller Ruhm aber Anja Melzer aus Crottendorf. Sie hatte den allerbesten Stollen gebacken. Wir verneigen uns vor unserer Stollenkönigin Anja! Im Namen des Gewerbevereins, aller Mitglieder und aller Zwönitzer wollen wir uns an dieser Stelle ganz besonders bei den tatkräftigen Helfern dieser beiden Veranstaltungen bedanken. Ob in der Vorbereitung oder mit Hand und Herz auf dem Marktplatz, ohne Euch wäre das alles nicht leistbar! Und wir bedanken uns bei allen Sponsoren, die in kleinen und größeren Beträgen zum Ganzen beigetragen haben – Herzlichen Dank!
