Erst gegen Mitternacht dürften die meisten Ratsmitglieder des Stadtrates am 9. Dezember 2025 zu Hause gewesen sein. Mit 21 Tagesordnungspunkten gab es gegen Ende des Jahres noch viele Themen zu besprechen und Entscheidungen zu treffen.
Zu Beginn stand der Wirtschaftsplan Kommunalwald 2026 zur Abstimmung. 3,5 Stunden vor Sitzungsbeginn reichte die AfD-Fraktion einen fünfseitigen Änderungsantrag ein. Auf ausdrücklichen Wunsch des Stadtrates stellt die Verwaltung diesem die Sitzungsunterlagen zehn Tage vor Sitzungsbeginn zur Verfügung, damit sich die gewählten Mitglieder ausgiebig mit dem Inhalt der Themen vertraut machen können. Der nun kurzfristig eingereichte umfangreiche Antrag der AfD-Fraktion mit zahlreichen Forderungen wurde daher kurz andiskutiert, konnte aber seitens des Stadtrates inhaltlich nicht durchdrungen werden. Das Thema wurde deshalb vertagt.
Längeren Diskussionsbedarf gab es bei dem Tagesordnungspunkt Aufstellung des Bebauungsplans „Wohngebiet an der Dittersdorfer Straße“. Aufgrund von vorgebrachten Bürgerhinweisen zu Starkregen und daraus resultierender Überschwemmungsgefahr gingen die Ratsmitglieder in einen umfangreichen Gedankenaustausch, ob Baurecht für ein neues Wohngebiet geschaffen werden soll. Einerseits kann die Stadt die auf den Ortsteil Kühnhaide bezogene Nachfrage nach Baugrundstücken für den individuellen Wohnungsbau zurzeit nicht decken. Andererseits ist ein Privatinvestor bereit, in seinem Besitz befindliche Flächen von 17.050 m² auf seine Kosten zu einem Wohngebiet zu entwickeln. Seitens des Ortschaftsrates Kühnhaide wurde mehrheitlich signalisiert, dass die Erweiterung des Gebietes als Wohnbaufläche gewünscht ist, verwies aber ebenfalls auf die im Planungsprozess zu lösende Frage nach dem Umgang mit dem Oberflächenwasser. Der Stadtrat einigte sich darauf, auch diesen Tagesordnungspunkt noch einmal zu vertagen. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, den Vorhabenträger um ein Konzept für die Regenund Schmelzwasserproblematik zu bitten und diesen dem Stadtrat zu präsentieren.
Auch in Brünlos möchte man neue Flächen für Wohnbebauung nutzbar machen. Es soll entsprechend der vorhandenen Darstellung im Flächennutzungsplan im Bereich Volkshausstraße und Randsiedlung auf der bisherigen Kleingartenanlage Baurecht für Eigenheime entstehen. Dementsprechend hat die Verwaltung dem Stadtrat empfohlen, eine entsprechende Satzung zu beschließen. Der Ortsvorsteher von Brünlos, Andreas Lasch, trägt die Meinung des Ortschaftsrates, der mehrheitlich dieser Satzung zugestimmt hat, vor. Er verweist aber auch darauf, dass mit diesem Beschluss ein Stück Ortsgeschichte hergegeben wird. Das Thema regenerative Energien umfasst neben der Windkraft auch Batteriespeicheranlagen. Diese werden gesetzlich von der Bundesregierung, ähnlich wie bisher die Windkraft, privilegiert. In jüngster Vergangenheit gingen schon mehrere Anträge beim Betreiber des örtlichen Hochspannungsnetzes (Mitnetz Strom), bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde und bei der Stadt Zwönitz ein, mit denen unterschiedliche Vorhabenträger Genehmigungen für die Errichtung von Batteriespeicheranlagen im Radius von etwa einem Kilometer um das Zwönitzer Umspannwerk erwirken wollen. Da sich die Standortwahl dabei ganz offensichtlich nicht nach siedlungsstrukturellen sondern ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten richtete, wurde seitens der Verwaltung empfohlen, dass die Stadt Zwönitz in Ausübung ihrer Planungshoheit mit den Mitteln der Bauleitplanung regulierend in diesen Prozess eingreift. Sie rät deshalb schnellstmöglich die Aufstellung eines Bebauungsplans zur städtebaulich geordneten Schaffung von Baurecht für die Errichtung von Batteriespeicheranlagen zu beschließen. Die diesem Beschluss folgende Planung soll mit Hilfe einer Veränderungssperre gesichert werden.
Dieses Vorgehen wurde im Vorfeld im Technischen Ausschuss diskutiert und dem Stadtrat so empfohlen. Damit möchte man einen „Wildwuchs“ von Batteriespeicheranlagen rund um das Umspannwerk vermeiden. Der Stadtrat stimmte einstimmig dem Vorgehen zu.
Auch das Thema Fuchsbrunnbrücke stand am Jahresende noch einmal auf der Tagesordnung. Mittlerweile ist die Umwidmung der bereits bewilligten Fördermittel von ehemals „Sanierung der historischen Brücke“ auf „Bau einer Radfahr-Hängebrücke neben der Fuchsbrunnbrücke“ genehmigt worden. Somit verfallen die Fördermittel nicht und zumindest kann mit diesen Mitteln die Lücke im beliebten Wanderund Radwegenetz geschlossen werden. Damit steht aber leider kein Geld mehr für den Erhalt des technischen Denkmals zur Verfügung. Da die neue ca. 100 Meter lange Stahlhängebrücke unmittelbar neben der historischen Schwester entstehen soll, gewinnt die Region hier eine besondere touristische Attraktion, solange die historische Brücke noch steht. Diese ist jedoch stark einsturzgefährdet und so muss das Areal ringsum dauerhaft durch einen Zaun gesichert werden. Zur Realisierung dieses geänderten Projekts muss auch die vor einiger Zeit zwischen den beteiligten Städten geschlossene Zweckvereinbarung angepasst werden. Die Stadträte von Zwönitz und Lauter-Bernsbach haben nun dem neuen Wortlaut zugestimmt. Der Lößnitzer Stadtrat wird hoffentlich bald nachziehen. In einem späteren Schritt soll dann ein Konzept zur Notsicherung des Denkmals erarbeitet werden, um den Einsturz möglichst noch um einige Jahre hinauszuschieben. Das für die Notsicherung erforderliche Geld soll über eine Ground-Funding-Aktion gesammelt werden, um die Haushalte der benachbarten Kommunen nicht weiter zu belasten. Es bleibt die Hoffnung, dass der Erhalt des Denkmals neben den bisher beteiligten Städten auch Grünhain-Beierfeld am Herzen liegt und sich alle vier Anliegerkommunen hierfür einsetzen werden.
Im weiteren Verlauf der Sitzung beschäftigte sich der Stadtrat mit der Zuschussgewährung an Vereine. In den vergangenen Jahren konnten bis zu 15.000 € aus dem städtischen Haushalt für die Zuschussgewährung an Zwönitzer Vereine bewilligt werden. Mit der Einführung des Ortschaftsbudgets stehen den Ortschaftsräten seit diesem Jahr ebenfalls entsprechende Mittel für diesen Zweck zur Verfügung. Trotzdem stellten etliche Vereine aus den Ortschaften bis zum Einreichungstermin 31.10.2025 Anträge auf Unterstützung aus dem oben genannten Haushaltsbudget. Zudem liegen dieses Jahr Anträge in Höhe von ca. 49.000 € vor, also mehr als dreimal so viel, wie Geld zur Verfügung steht. Zur gerechten Verteilung empfiehlt die Verwaltung, die 15.000 € nach Einwohnerschlüssel ebenfalls auf die Ortschaften bzw. Rest-Zwönitz aufzuteilen. Da in der Ortschaft Niederzwönitz keine kulturellen oder sportlichen Vereine existieren, soll dieses Budget Rest-Zwönitz zugeordnet werden. Da es für die Verteilung dieses Budgets aber keinen Ortschaftsrat gibt, soll dies der Ausschuss für Kultur, Bildung, Sport und Soziales übernehmen.
Die Unterstützung der Vereine wird für die Stadt weiterhin eine große Priorität besitzen, da das Ehrenamt nicht hoch genug wertgeschätzt werden kann. Ein sehr gutes Beispiel hierfür wurde in einem weiteren Tagesordnungspunkt beschlossen.
Der Turn- und Skiverein ist Pächter des ehemaligen Kinderferienlagers an der Niederzwönitzer Brettmühle, deren Anlage stark sanierungsbedürftig ist. Nun hat der Verein ein Konzept entwickelt, welches das Wanderzentrum an der Brettmühle in ein attraktives Sport- und Freizeitzentrum für Tagesund Übernachtungstouristen umgestalten soll. Der Kostenumfang dafür beträgt ca. 110.000 EUR. Für die Realisierung soll ein Förderantrag bei LEADER gestellt werden. Weiter hat der Verein nun bei der Stadtverwaltung den Antrag gestellt, das Projekt mit 25% der förderfähigen Kosten aus dem städtischen Haushalt zu bezuschussen. Dieser außerplanmäßigen Ausgabe von max. 27.500 EUR für das Haushaltsjahr 2026 hat der Stadtrat einstimmig zugestimmt.
Ein weiterer Verein, der sich gerade in Gründung befindet, will Zwönitz ebenfalls durch sein Engagement lebensund liebenswert mitgestalten. Dabei handelt es sich um den Förderverein Lebenswertes Zwönitz e.V., der sich an einem erfolgreichen Beispiel unserer Partnerstadt Heiligenhaus orientiert. Der dortige Verein wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, Gelder zu sammeln, um ehrenamtliche Projektideen aus der Bürgerschaft zu unterstützen, welche die Stadt lebenswerter machen. Die verschiedenen Arbeitsgruppen, die durch den Verein in unserer Partnerstadt initiiert und gesteuert wurden, haben inzwischen sehr viele Projekte und Ideen erfolgreich umsetzen können.
Nach dem Heiligenhauser Vorbild soll auch in Zwönitz eine stetige Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung erfolgen. In der Stadtratssitzung im November wurde bereits mehrheitlich der Mitgliedschaft und personellen Unterstützung der Vereinsarbeit zugestimmt. In der Dezembersitzung wurde nun dem Satzungsentwurf entsprechend der Verwaltungsmitarbeiter Peter Glumbick als Vorstandsmitglied mit Kontenbefugnis in den noch zu gründenden Förderverein entsandt.
