
Titelbild: Karte von Günsdorf bis Olbernhau, 1:100 000, 1872
In einer Schülerforschungsarbeit der Oberschule Hormersdorf aus den frühen 1980er Jahren gibt es ein paar Vermutungen. Dort heißt es: „Das Wort ’Rot’ ist kaum abzuleiten vom Roten Wasser, dass in der Nähe fließt. Logischer erscheint der politische Bezug. Es trafen sich auf dieser Wiese die „Roten“. Durch die volksmundliche Umschreibung entstand aus der Ochsenwiese der „Rote Ochse“. Diese Annahme – dass der Name von den „Roten“, also den Sozialisten und den Arbeitersportlern stammt – ist in Hormersdorf und Umgebung weit verbreitet. Auch ich war lange dieser Meinung. Im Laufe meiner Recherchen stellte, sich jedoch heraus dass sie nicht stimmen kann. Das Wort „Rot“ kann keinen politischen Bezug haben, denn nach dieser These hätte die Wiese den Zusatz „Rot“ erst um 1925 erhalten. Dies lässt sich jedoch durch zwei Landkarten widerlegen, die sich in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden befinden. Dort wird das Flurstück bereits 1872 und 1875 als „rother Ochse“ verzeichnet. Zu jener Zeit war weit und breit kein Sozialdemokrat oder Arbeitersportler auf der Wiese zu sehen. Weiterhin ist auf diesen Karten zu sehen, dass sich dort ein Gebäude befand. Die genannten Karten stimmen mit Aufzeichnungen des Hormersdorfer Gemeindevorstands Gustav Metzner aus dem Jahr 1902 überein. Darin wird der Rote Ochse als ein Vorwerk beschrieben, bestehend aus einem Wohnhaus mit Schankgerechtigkeit und einer Scheune. Eine weitere Akte aus Ehrenfriedersdorf deutet darauf hin, dass es sich auch um ein ehemaliges Bergwerksgebäude gehandelt haben könnte. Ein Brand legte die Gebäude 1876 in Schutt und Asche. Das Grundstück war 2,76ha groß und in Privatbesitz, später wurde es an die Gemeindeverwaltung Hormersdorf verkauft. Somit ist klar: Der Name „Roter Ochse“ ist deutlich älter als bisher angenommen. Eine mögliche Erklärung bleibt: Die rötliche Färbung von Wasser und Erde durch Eisengehalt. Ähnliche Flurbezeichnungen in der Nähe sind „Rotes Wasser“, „Rotes Gesäure“ und „Rote Pfütze“. Auch der „Ochsenteich“ färbt sich bei Sonneneinstahlung rötlich. Diese Ableitung erscheint derzeit am wahrscheinlichsten. In der Chronik von Johannes Voigt (1938) wird außerdem eine „Ochsenwiese“ sowie der „Ochsenwinkel“ auf dem Flurstück des Bauerngutes Obere Dorfstraße 26 erwähnt – nicht weit entfernt von der hier behandelten Wiese. Das „Rot“ könnte also auch zur Unterscheidung der beiden Wiesen gedient haben.
Fortsetzung folgt

Sehr schöner Artikel über unserer Heimatgeschichte!
Nach meiner Kenntnis wurde in der Gifthütte Geyer Arsenhaltiges Eisen verarbeitet, es musste gemahlen und geröstet werden. Die giftigen Abfälle führten zu rot Färbung des Wassers.
Überliefert ist dass 1564 der Nürnberger Hironymus Zürich das Privileg erhielt, das Arsenmehl aufzufangen und weiter zu verarbeiten. (s. „Werte unserer Heimat“).
Ebenso ist überliefert dass um 1700 die Jahnsdorfer Kuhherde zu dicht an die feuchten, roten Wiesen herangetrieben wurden und die Herde verendete.
Der Begriff hat daher m.E. mit dem Bergbau zu tun, wie auch alte Karten von 1780 ausweisen.
VG HP Auerswald, Brünlos
Hallo Hr. Auerswald,
an der Gifthütte ist der Boden generell sehr eisenhaltig. Daher rührt die Farbe des Wassers wohl eher vom Boden und nicht von den „Abfällen“ der der Hütte. Sei es drum …
Vermutlich hat der Begriff etwas mit Bergbau zu tun, dass habe ich ja auch geschrieben. Leider lies sich aber kein Material abtreiben welches die Begriffsentstehung erläutert, auch kein Kartenmaterial. Das rot ist schon klar, aber woher kommt der Ochse? (Sollten Sie mit Kartenmaterial von 1780 die Forstrisse von 1775 meinen, dann muss leider gesagt werden, dass dort auch keine Herkunft des Namens vermerkt ist bzw. nicht mal der Name vermerkt ist. Ich würde mich aber freuen wenn Sie noch anderes Kartenmaterial meinen welches den Begriff erklären würde.)
Glück auf!
Falk Drechsel
Sehr schöner Artikel über unserer Heimatgeschichte!
Nach meiner Kenntnis wurde in der Gifthütte Geyer Arsenhaltiges Eisen verarbeitet, es musste gemahlen und geröstet werden. Die giftigen Abfälle führten zu rot Färbung des Wassers.
Überliefert ist dass 1564 der Nürnberger Hironymus Zürich das Privileg erhielt, das Arsenmehl aufzufangen und weiter zu verarbeiten. (s. Werte unserer Heimat).
Ebenso ist überliefert dass um 1700 die Jahnsdorfer Kuhherde zu dicht an die feuchten, roten Wiesen herangetrieben wurden und die Herde verendete.
Der Begriff hat daher m.E. mit dem Bergbau zu tun, wie auch alte Karten von 1780 ausweisen.
VG HP Auerswald, Brünlos