Der kulinarisch-informative Abend „Jüdisch kochen“ am 6. Februar im MITTENDRIN war mit mehr als 30 Personen schnell ausgebucht – und zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse an Begegnung, Austausch und gemeinsamen Tun ist. Eingebettet war die Veranstaltung in das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit Ralf Tröger, Küchenchef des jüdischen Restaurants „Schalom“ in Chemnitz und gebürtiger Zwönitzer, hatte der Verein Zwönitz Miteinander e. V. einen Koch eingeladen, der sich schnell als ebenso nahbar wie leidenschaftlich und humorvoll erwies. Er ist selbst kein Jude und kam eher zufällig zum Restaurant „Schalom“. In Zwönitz aufgewachsen und zur Schule gegangen, zog es ihn der Liebe wegen nach Chemnitz – und schließlich in die jüdische Küche, die für ihn heute weit mehr ist als seine Arbeit. Ralf erläuterte einige Grundregeln der koscheren Küche, z. B. dass Milchiges und Fleischiges nicht in einer Mahlzeit vermischt werden dürfen, weshalb im „Schalom“ und an dem Abend auch im MITTENDRIN keine tierischen Milchprodukte genutzt wurden. Gemeinsam wurden Falafel und Tabouleh, Tscholent mit Hähnchen, Graupen und weißen Riesenbohnen sowie Panna Cotta mit Granatapfelsoße zubereitet – und bei der Arbeit kam man ganz selbstverständlich ins Gespräch. Die Küche war rappelvoll, viele schauten Ralf am Herd über die Schulter, fachsimpelten über Gewürze, rührten Bulgur und den Eintopf, rollten und frittierten Falafel. Geschnippelt wurde an allen Tischen und verschiedene Techniken zum Entkernen von Granatäpfeln kamen zum Einsatz. Jede und jeder suchte sich eine Aufgabe, half mit oder unterhielt sich mit anderen bei einem Glas Wein oder koscherem Simcha-Bier. Bald zogen Düfte von exotischen Gewürzen durchs MITTENDRIN und machten Appetit. Das gemeinsame Essen, der Genuss der selbstgekochten Speisen, war natürlich der Höhepunkt des Abends. Dass nach Sonnenuntergang der Shabbat begann, der festliche Ruhetag in der jüdischen Kultur, verstärkte die besondere Atmosphäre. „Es war sehr schön, lecker, harmonisch, gesellig, trubelig – und viel weniger chaotisch als erwartet“, fasste das Team des MITTENDRIN den Abend zusammen. Viele der Teilnehmenden bedankten sich am Ende ausdrücklich – für das Essen, den Einblick in eine andere Kultur, aber vor allem für die Atmosphäre. Der Abend zeigte, worum es bei unserer Veranstaltungsreihe Blick über den Tellerrand geht: nicht um perfekte Abläufe, sondern um gemeinsames Tun, Zuhören, Erinnern und Genießen. Möglich werden diese Veranstaltungen durch Fördermittel des Programms Neulandgewinner. Dass auch der für den Herbst vorgesehene Wiederholungstermin „Jüdisch kochen“ schon ausgebucht ist und konkrete Pläne für weitere Themenabende geschmiedet werden, bestätigt: Dieses Format trifft einen Nerv.
Zwönitz Miteinander e. V.
