Nachdem in den letzten beiden Jahren der 2. Februar auf das Wochenende fiel und damit Zwönitz zum Besuchermagnet für Tausende wurde, waren sich die Organisatoren sicher, dieses Jahr wird es ruhiger. Falsch gedacht! Wenn in der Bergstadt der Ruf „Licht aus!“ erschallt, markiert dies traditionell das Ende der Weihnachtszeit im Erzgebirge. Und dieser Termin scheint inzwischen fester Bestandteil bei vielen Zwönitzern und Gästen in der Kalenderplanung zu sein. Auch wenn es sich, wie in diesem Jahr, um einen ganz gewöhnlichen Wochentag han- delt. Rund 5.000 Besucher strömten daher am Nachmittag auf den Marktplatz, um gemeinsam dieses besondere Brauchtum zu zelebrieren. Ab Mittag gab es verschiedenste Angebote, wie z.B. um 13 Uhr eine Besichtigung der Trinitatiskirche mit Turmbesteigung unter Führung des Zwönitzer Türmers Matthias Franke. Über 70 Besucher folgten seiner Einladung darunter auch 16 Gäste aus Hannover, welche seit dem Jahr 2000, dem Beginn der Zwönitzer Lichtmeß-Feiern, also das 27. Mal in Folge, mit einem Reisebus extra hierher ins Erzgebirge nach Zwönitz angereist sind.

Gute Stimmung bei den Caterern, alles ist vorbereitet, man geniest die Ruhe vor dem Sturm. 21 Händler haben sich im Marktbereich eingefunden, um die Gäste zu versorgen, dennoch kam es zu Warteschlangen an allen Ständen, so dass im kommenden Jahr der Roßrundgang wieder bespielt wird.
Frank Reuter spielte auf seiner Drehorgel weihnachtliche Klänge und bereicherte damit das Marktgeschehen.
Das Erzgebirgische Stollnblech musizierte in der weihnachtlich geschmückten Trinitatiskirche ein Konzert zum Weihnachtsausklang.
Die letzte Stunde der Weihnachtszeit zelebrierten die Zwäntzer Maad und die Bergbläser der Erzgebirgischen Blasmusikanten gemeinsam. Charmant anmoderiert von Bürgermeister Wolfgang Triebert.

Zeitgleich öffneten die kulinarischen Stände auf dem Marktplatz, wo sich die Gäste bis in den Abend hinein mit Glühwein, Punsch und traditionellem Lichtmeß-Essen stärken konnten. Die Besucher hatten also die Qual der Wahl zwischen Kulinarik, Kultur und Geschichte, denn während 15 Uhr in der Trinitatiskirche das Bläserensemble „Erzgebirgisches Stollnblech“ ein stimmungsvolles Konzert zum Weihnachtsausklang gab, startete an der Stadtinformation der Rundgang mit den Zwönitzer Nachtwächtern. Außerdem las in der Stadtbibliothek zudem Autorin Antje Henkel-Schilbach aus ihrem Werk „Die Frau des Papiermachers“ und begeisterte ihr Publikum.

Lichmeß auch ein fester Termin für unsere Zwönitzer Nachtwächter. Nachdem sie die Besucher durch unser schmuckes Städtchen geführt haben, wollen sie das „Licht aus“ auf der Bühne nicht verpassen.

Ab 16 Uhr stimmte ein buntes Bühnenprogramm mit den Bergbläsern Zwönitz-Affalter, den „Zwäntzer Maad“ und den Nachtwächtern auf den Höhepunkt des Abends ein. Pünktlich um 18 Uhr gab Bürgermeister Wolfgang Triebert schließlich das Kommando zum Erlöschen der Festbeleuchtung. An seiner Seite standen sechs Nachtwächter – eine Formation aus den drei erfahrenen Herren: Werner Störzel, Manfred Schnabel und Karl-Heinz Draheim. Neben ihnen die drei „Nachwuchskräfte“ Oscar Naumann, Michel Lindner und Mathis Fankhänel, die mit ihren Ansprachen den Gästen so manches Schmunzeln entlockten. Trotz akribischer Planung verlief das „Licht aus!“ nicht ganz ohne „Zwischenfälle“. Während in den Vorjahren der Bürgermeister schon einmal den Countdown vergaß, brannte dieses Jahr hartnäckig ein einsamer Schwibbogen in einem Fenster des Rathauses weiter, während die restliche Stadt bereits im Dun- keln lag. Nach dem offiziellen Erlöschen der Lichter fand um 19 Uhr in der katholischen Kirche St. Peter & Paul eine feierliche Andacht mit Kerzensegnung statt. Wer ein Stück Schutz für das eigene Heim mitnehmen wollte, konnte in der Stadtinformation die traditionellen Gewitterkerzen erwerben, die laut erzgebirgischem Volksglauben nicht nur vor Unwettern schützen, sondern auch den häuslichen Frieden bewahren sollen. 520 Zwönitzer Gewitterkerzen wechselten den Besitzer. Allen, die keine Kerze ergattert haben sei gesagt: ein kleiner Restbestand ist in der Info noch vorhanden.

Zum traditionellen Abendessen waren alle Zwönitzer Gasthäuser bis auf`s letzte Plätzchen ausgebucht. Auch im Grünen Garten wurde Riesenbratwurst mit Hirsebrei und Sauerkraut von der Chefin Anja Börner mit Musik und guter Laune serviert.

Nach dem offiziellen Teil zog es die Menschenmassen in die Gaststätten und zu den Verkaufsständen. Das traditionelle Lichtmeß-Essen, bestehend aus Hirsebrei und Riesenbratwurst, ist in Zwönitz ein absolutes Muss. „Am Anfang konnten wir es gar nicht fassen, dass die Leute hier so auf dieses Essen stehen, so speziell wie in Zwönitz ist es nirgendwo“, berichtete Nico Deutsch vom Hotel zum Roß gegenüber der Presse. Auch Dominik Naumann von der Zwönitzer Brauerei und das Team der Gaststätte „Zur Börse“, die mit dem „Lichtmeß-Mobil“ vorfuhren, verzeichneten einen enormen Zuspruch für diese traditionelle Speise. Wenn auch kurz und intensiv, waren die Gastronomen, die Händler der Innenstadt und die Veranstalter gleichermaßen zufrieden. Trotz eines Wochentages tat es der Stimmung keinen Abbruch – die Zwönitzer und ihre Gäste bewiesen einmal mehr, dass Tradition in der Bergstadt wetter- und wochentagsunabhängig gelebt wird.

Überwältigend war auch das große Medieninteresse zur Lichtmeß. Zwei Teams vom MDR waren zu Gast in unserer Stadt und berichteten live vom Festgeschehen. Vertreter der Freien Presse begleiteten die Veranstaltung von 15 bis 18 Uhr und so freuen wir uns über einen ausführlichen Artikel.

Fotos: Simone Bonitz/Ralf Wendland