Vielfach erreichen uns in den Zwönitzer Museen Anfragen, ob und wenn ja auf welchem Wege Einsicht in die Chronik von Dorfchemnitz genommen werden kann. Für Heimatforscher, Vertreter von Vereinen oder schlicht geschichtsinteressierte Einwohner stellen die vier im Original im Museum Knochenstampfe Dorfchemnitz aufbewahrten Chronikbände eine unersetzbare Quelle zur Erschließung ganz unterschiedlicher historischer Themen dar. Die vier, in großen Teilen handgeschriebenen, in Leder gebunden Bände geben auf über 1000 Seiten einen detailreichen Überblick über die Geschichte des Dorfes, seiner Einwohner und seiner Gebäude seit seiner urkundlichen Ersterwähnung. Der erste Band wurde von Paul Keller anhand umfangreicher Recherchen im Hauptstaatsarchiv sowie in Kirchen- und Gemeindebüchern erarbeitet. Auch einzelne historische Schriftsachen, Kaufverträge, Nachlässe, im Prinzip jedes historische Dokument dessen er habhaft werden konnte, fand Einzug in seine Recherchen. Einzelne Kapitel behandeln die Geschichte zentraler Einrichtungen des Dorflebens, angefangen beim Erbgericht über die Kirche bis hin zur Schule. Ein Schlusskapitel liefert einen chronologischen Überblick über wichtige Ereignisse der Gemeindegeschichte bis Ende 1932. Angereichert wurden die einzelnen Kapitel durch Kopien der originalen Archivalien und ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Fotografien, zwischen die Textseiten gebunden oder eingeklebt. Der zweite Band behandelt unter dem Titel „Hitler und sein Werk“ die Jahre zwischen 1933 und 1945, wiederum angereichert durch originale Zeitungsausschnitte, Fotos, Flugblätter und Kopien historischer Quellen. Der dritte Band enthält eine Übersicht zu gefallenen und vermissten Dorfchemnitzer Kriegsteilnehmern. Der letzte Band schließlich nimmt den Leser mit durch die Wirren der Nachkriegsjahre und die Entstehung der DDR. Nach dem Tod Paul Kellers 1962 führte sein Bruder Albert die Chronik noch bis 1974 weiter. In die Museumssammlungen gelangte das Geschichtswerk 2001 als Schenkung durch den Neffen Paul Kellers. Gemäß den bei der Übernahme vereinbarten Nutzungsbedingungen und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der darin genannten Personen, können die Texte die sich mit der Zeit zwischen 1933 und 1974 befassen, nicht frei zur Verfügung gestellt werden. Anders liegt der Fall bei dem besonders umfangreichen ersten Band. Die bereits in den 1990er Jahren angefertigte Transkription des in Sütterlin abgefassten Originaltextes wurde kürzlich vollständig digitalisiert, sodass Band 1 als durchsuchbare PDF in der Museumsdatenbank museum-digital zur Verfügung gestellt werden kann. Jene Teile der Chronik, die die Zeiträume nach 1933 behandeln, können aus den genannten Gründen noch nicht frei zur Verfügung gestellt werden. Interessierte können hier in den Museen der Heimatwelten Zwönitz auf Nachfrage Einsicht nehmen. Die digitale Fassung des ersten Bandes kann unter folgenden Links abgerufen werden:

Teil 1: https://sachsen.museumdigital. de/singleimage? resourcenr=11474&noiiif=1
Teil 2: https://sachsen.museumdigital. de/singleimage? resourcenr=11475&noiiif=1

Viel Spaß beim Schmökern!

Text und Foto: Marco Blechschmidt