Manchmal begegnen sich auf dem Kirchhof Welten, die sich sonst eher selten die Hand geben:
Jahrhundertealte Grabsteine und moderne Photogrammmetrie. Dank Fördermittel der Leader-Region Zwönitztal/Greifensteine konnte nicht nur die Kirchhofmauer saniert, mehrere historische Steine gesichert, sondern auch die neueste Technik auf unsere ältesten Zeugnisse losgelassen werden – ganz behutsam natürlich.
Das Team des Buntspeichers Zwönitz und besonders Martin Wachsmuth rückte mit Kameras, Stativen und viel Geduld an, um die alten Steine millimetergenau zu erfassen. Während die Grabsteine (die ältesten von 1616 und 1654) stoisch wie eh und je standen, entstanden hochpräzise Modelle, aus denen Falk Drechsel die Inhalte ausarbeitete. Gerd Bucher brachte das Ganze schließlich ins Digitale und verwandelte es in QR‑Codes, die an der Kirche eingelesen werden können. In der „Offenen Kirche“ (bis Oktober täglich 9.00-18.00 Uhr) können gern aber auch die Dokumentationen dazu in die Hand genommen werden.
Ein kleiner „Hingucker“ ist dann noch die geschnitzte Bank und die Pflanzen, die in den Jahren zu einem Grün-Ring herum wachsen sollen. So trifft auf unserem Kirchhof nun mittelalterliche Ruhe auf moderne Pixelkunst – und wir freuen uns, dass dank Fördermittel der Leader- Region Zwönitztal/Greifensteine und Teamarbeit Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch mit einem Augenzwinkern neu erzählt wird.
Für die betroffenen Grabmale wurden zahlreiche Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen – insgesamt ca. 200 Bilder pro Stein. Diese Aufnahmen wurden anschließend mithilfe spezieller Software zu dreidimensionalen Modellen verarbeitet. Die Technik dahinter basiert auf
dem Prinzip, aus der Überlagerung vieler Einzelbilder präzise 3D-Daten zu berechnen.
Diese digitalen Modelle ermöglichen es, selbst feinste Vertiefungen und erhabene Strukturen auf der Oberfläche sichtbar zu machen – auch dann, wenn sie mit bloßem Auge kaum noch erkennbar sind. So konnten wichtige Inschriftenabschnitte doch noch lesbar gemacht und inhaltlich erschlossen werden.
Text/Bilder: Thomas Vorberg
