Titelbild – André März

Holger Wachtel, im Hintergrund „seine“ Schule. (Bild/Titelbild – André März)

Lehrer sind, genauso wie Eltern, für die Entwicklung eines Kindes entscheidend. Sie sollten begleiten, formen, fordern und fördern. Lehrer zu sein ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Berufung, die Verantwortung trägt und gleichzeitig Herzen berühren sollte. Ein schönes Zitat von Henry Adams bringt es auf den Punkt: „Lehren heißt, ein Leben für immer zu berühren.“ Und genau das hat Holger Wachtel bisher getan – über fast vier Jahrzehnte hinweg, mit Leidenschaft, Energie und einem unerschütterlichen Glauben an das Potenzial jedes einzelnen
Kindes.

Holger Wachtel war ein Lehrer und Direktor aus tiefster Überzeugung. Einer, der nicht nur erklärte, sondern zeigte. Einer, der nicht nur zeigte, sondern inspirierte. Seit 1992 leitete er die Samuel von Pufendorf Grundschule in Dorfchemnitz, und wer ihm begegnete, spürte sofort: Dieser Mann lebt und liebt diese Schule. Für ihn war die Schule nie nur ein Arbeitsplatz, sondern ein lebendiger Ort der Gemeinschaft, ein Stück Familie. Ein Ort, an dem Kinder wachsen, Fehler machen dürfen, Vertrauen lernen und ihre eigenen Wege finden.

Sein Weg führte ihn 1987 nach Dorfchemnitz. Es war für ihn ein bewusster Neuanfang nach einer Zeit in Burkhardtsdorf, die er aufgrund der politischen Rahmenbedingungen eher als belastend empfunden hat. Er wünschte sich eine Schule, in der der Mensch wieder im Mittelpunkt stehen sollte.

Er fühlte sich gleich wohl in dieser Dorfchemnitzer Dorfschule. Stets hatte er Projekte und Ideen im Kopf, Visionen im Blick und die nötige Energie, sie anzuschieben und umzusetzen. Sicher nicht immer bequem für alle Beteiligten, aber dennoch immer im Sinne „seiner“ Kinder. Er forderte viel, aber er gab auch viel. Und oft blitzte dabei dieses typische Zwinkern in seinen Augen auf, das jedem klarmachte: Hier spricht jemand, der etwas bewegen will und das brachte ihm nicht nur die Loyalität, Respekt und Begeisterung seiner Schüler, sondern auch seiner Lehrerschaft und die der Eltern ein.

In seinen 39 Jahren an der Samuel von Pufendorf Grundschule erlebte er, wie sich Schule veränderte. Digitalisierung, Tests, Vorgaben, Leistungsdruck – vieles wurde schneller, umfangreicher, komplexer. „Weniger ist manchmal mehr“, sagt er rückblickend. Er blieb dennoch stets wachsam und offen für Neues, besonders nach der Wende, als kreative Unterrichtsmethoden und moderne Lehrmittel neue Möglichkeiten eröffneten. Er sah die Chancen, die Kinder heute haben – eine Welt, die ihnen offensteht, wenn man ihnen den Mut gibt, sie zu entdecken. Dabei ist ihm aber auch nicht entgangen, dass sich das Thema Kindheit verändert hat: volle Terminkalender, digitale Dauerverfügbarkeit, weniger Freiräume. Doch er sieht auch den Vorteil der „Landkinder“, die parallel zu den neuen Herausforderungen ebenfalls viel Natur, Ruhe und Raum vorfinden.

Am 2. Juli 2026 wurde Holger Wachtel in seiner Schule offiziell verabschiedet. Ein bewegender Moment, insbesondere auch für die Lehrerschaft. Die Verabschiedung gestaltete sich genauso wie man Holger Wachtel wohl auch immer gesehen hat: ANDERS. Anders im positiven Sinne. Als gestiefelter Kater hat er mit „seinen sieben Zwergen“, in deren Rollen die Lehrerschaft geschlüpft ist, mit einer grandiosen Theateraufführung einen Schlusspunkt gesetzt.

Es bleibt ein großes Dankeschön für die geleistete Arbeit, eine große Vorbildwirkung, die Prägung vieler Charaktere und das konstruktive Streiten
im Sinne einer positiven Entwicklung der wunderschönen Dorfschule
Samuel-von Pufendorf. Die Stadtverwaltung und die Redaktion des Zwönitzer Anzeigers wünschen Ihnen, dass Sie gesund bleiben, interessiert
und leidenschaftlich bei allen Aufgaben im neuen Lebensabschnitt.

Melanie Riedel, Leiterin der Grundschule Rudolf Hennig in Brünlos, wird nun zwei Grundschulen in Personalunion führen. Holger Wachtel (r.) übergibt Ihr einen Blumenstrauß, beste Wünsche und das Versprechen als Ansprechpartner für Fragen weiterhin zur Verfügung zu stehen.