
Am 27. Juni 2026 bei extremen Bedingungen und schweißtreibenden 36 Grad Hitze hat sich der gebürtige Lenkersdorfer René Leßmüller in Janské Lázně/Tschechien sensationell die Krone aufgesetzt. Nach einem dramatischen Rennverlauf und einer phänomenalen Aufholjagd in der Königsdisziplin, dem
Longrun, sicherte er sich nach einer Laufzeit von circa 2 Stunden und 11 Minuten den 11. Platz in der Einzelwertung. Das reichte aus, um als einer der drei besten
Starter in die deutsche Gruppenwertung einzugehen und gemeinsam mit dem Team das Unmögliche wahr zu machen: Deutschland holte den Weltmeistertitel im Berglaufen! Damit ist das Erzgebirge und ganz besonders die Stadt Zwönitz ab sofort um einen echten Weltmeister reicher. „An so einem Tag muss einfach alles zusammenkommen“, resümiert der frisch gebackene Champion glücklich.
Dass dieser historische Erfolg gelingen konnte, verdankt der 1970 geborene Athlet einer Mischung aus eiserner Disziplin, Heimatverbundenheit und den Genen seiner Familie. Leßmüller verweist hierbei gern auf die Sportwissenschaft, nach der eine solche Höchstleistung zu 20 Prozent aus Genen, 30 Prozent aus Training, 40 Prozent aus gesunder Lebensweise und zu 10 Prozent aus der richtigen Taktik am Wettkampftag besteht. Die genetische Basis wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, denn sowohl seine Eltern als auch seine Großeltern waren bis ins hohe Alter auf dem heimischen Bauernhof aktiv und somit täglich körperlicher Bewegung ausgesetzt. Doch auch die Stadt Zwönitz selbst hat einen ganz prakti-
schen Anteil an seiner Ausdauer. Zu DDR-Zeiten besuchte Leßmüller die
Polytechnische Oberschule „Friedrich Engels“ in Zwönitz. Da er in Lenkersdorf wohnte, bedeutete dies zehn Jahre lang einen Schulweg von rund vier Kilometern. Während es morgens noch mit dem Bus zur Schule ging, legte er den Heimweg am Nachmittag konsequent zu Fuß zurück – ein tägliches, jahrelanges Grundlagentraining, das damals den ersten echten Grundstein für seine spätere Karriere im Berglaufen legte.
Obwohl der Weltmeister inzwischen in der Nähe von Leipzig lebt, bleibt er seinen erzgebirgischen Wurzeln treu. Da es in der Messestadt schlicht keine Berge gibt, kommt er zum Trainieren regelmäßig nach Hause in die Region. Er nutzt die anspruchsvollen Laufwettkämpfe in Thum, Geyer, Schwarzenberg und auf dem Fichtelberg als Vorbereitung, denn sein Credo lautet: „Jeder Lauf ist das Training für den nächsten Wettkampf.“ Dass die gesunde Lebensweise für ihn als Leistungssportler ohnehin eine Grundvoraussetzung ist, bewies er auch beim Titelrennen, bei dem am Ende aber auch das nötige Quäntchen Glück eine Rolle spielte.
Kurz vor dem Startschuss fiel der eigentlich beste deutsche Läufer aus. Plötzlich bot sich für Leßmüller die unerwartete Chance, unter die besten drei deutschen Läufer zu rutschen, um überhaupt in die Mannschaftswertung aufgenommen zu werden. Das Rennen selbst verlangte ihm alles ab. Auf dem Weg nach oben verlor er zunächst wertvolle Zeit gegenüber der Konkurrenz, da er die extremen Anstiege im Gegensatz zu den anderen Läufern wanderte und nicht rannte. Doch auf dem Weg nach unten wendete sich das Blatt komplett. Im Downhill bewies er taktisches Geschick, holte Schritt für Schritt auf und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Ein entscheidender Vorteil war dabei seine Hitzebeständigkeit. Während die favorisierten Teams aus Großbritannien und Irland massiv unter den 36 Grad litten, steckte Leßmüller die Temperaturen erstaunlich gut weg.
Doch ein solches Meisterwerk bei einem internationalen Großereignis gelingt nicht im Alleingang, sondern erfordert auch im Hintergrund ein perfekt funktionierendes Team. Umso wichtiger ist es dem Weltmeister daher, ein großes Dankeschön an seine sportliche Heimat zu richten: Ein ganz besonderer Dank gilt seinem Verein, dem FC Erzgebirge Aue, der ihn bei den Wettkämpfen organisatorisch stets stark unterstützt und ihm auf dem Weg zu diesem Triumph sprichwörtlich den Rücken freigehalten hat. Mit diesem starken Rückhalt und einer geschichtsträchtigen Willensleistung hat sich René Leßmüller nun einen festen Platz in den Sportgeschichtsbüchern unserer Region gesichert. Die
Stadt Zwönitz gratuliert ihm zu dieser überragenden und absolut verdienten Goldmedaille!
