
Bürgermeister Wolfgang Triebert (l.) gratulierte Dieter Schindler und seiner Ehefrau Utra Schindler zum „halben Jahrhundert“ Schindlers Zweiradhaus
Das zum 40-jährigen Firmenjubiläum gesetzte Ziel, das 50-Jährige zu erreichen, haben Dieter Schindler und seine Frau Utra geschafft. Am 1. September 2026 konnten sie gemeinsam dieses großartige Ereignis feiern. Insgesamt darf das Ehepaar damit aber schon auf 102 Jahre Familientradition zurückblicken. Begonnen hat diese mit dem Großvater Dieter Schindlers, Walter Wurm. Er gründete 1924 das Geschäft in Niederzwönitz, in der heutigen Dorfchemnitzer Straße und verkaufte und reparierte Nähmaschinen, Grammophone, Radios und natürlich Fahrräder. Nebenbei bot er zusätzlich auch Taxifahrten an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine besondere Neuerung zum Sortiment hinzu: der sogenannte „Hühnerschreck“. So wurde das erste Fahrrad mit Verbrennungsmotor bezeichnet – gewissermaßen ein Vorläufer der heutigen E-Bikes. Mit der Einführung des SR-1 wurde Walter Wurm schließlich Vertragshändler und reparierte fortan auch Mopeds und Motorräder.
Dieter Schindler erlernte den Beruf des Autoschlossers. Nach seiner Armeezeit arbeitete er als Geselle im Geschäft seines Großvaters und legte 1975 erfolgreich seine Meisterprüfung ab. Am 01. September 1976 erfolgte schließlich die offizielle Geschäftsübergabe vom Großvater an den Enkel. Walter Wurm wollte mit 72 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand antreten.
Von da an konzentrierte sich das Geschäft zunehmend auf Mopeds. Schon bald wurde deutlich, dass der bisherige Standort zu klein war. Zwischen 1978 und 1981 erfolgte deshalb der Ausund Umbau am heutigen Standort Am Bach 5. Aus einer alten Scheune entstand eine Werkstatt.
Die Nachfrage nach Reparaturen und Ersatzteilen war groß. In den besten Zeiten arbeiteten neben Dieter Schindler auch ein Geselle und seine Frau Utra in der Werkstatt mit. In seiner langjährigen Tätigkeit bildete Dieter Schindler insgesamt vier Lehrlinge aus. Und das wohl sehr gut, denn zwei von ihnen, Falk Zinke und Jörg Stiehler, dürften im Ort bekannt sein. Sie haben selbst in der Zwönitzer Kfz-Branche erfolgreich Fuß gefasst.
Nach der politischen Wende veränderte sich das Sortiment erneut. Neben den Mopeds kamen nun auch wieder Fahrräder hinzu. Mit der Vielzahl neuer Produkte wurde die vorhandene Ausstellungsfläche bald zu klein. Deshalb wurde erneut erweitert und modernisiert.
Zum Geschäftsleben gehören Höhen und Tiefen. Im Jahr 2007 galt es, einen schweren Rückschlag zu verkraften. Ein Blitzeinschlag in der benachbarten Autowerkstatt mit Wohnhaus von Zinkes griff auf das Wohnund Geschäftshaus von Dieter Schindler über. Der vordere Teil des Gebäudes musste anschließend neu aufgebaut werden. Heute befindet sich dort die Ausstellung. Dieter Schindler ist weit über die Grenzen Zwönitz‘ hinaus als „SimsonSpezi“ bekannt. Die beliebten Simson-Mopeds erleben seit Jahren eine regelrechte Renaissance. Entsprechend kann sich Dieter Schindler auch heute noch über Arbeit und Aufträge nicht beklagen. Denn er hat tatsächlich noch keine großen Ambitionen, seine Werkstatt zu schließen. Vor zwei Jahren wurde er allerdings schwer krank, hat sich aber inzwischen erholt und arbeitet nun mit gekürzten Öffnungszeiten (Mo/Mi 1316 Uhr, Fr 10-13 Uhr) weiter. Unterstützt wird er dabei, wie die Jahrzehnte davor, von seiner Frau Utra.
Beide sind vom Wesen herzlich und fröhlich und denken gar nicht daran, sich unterkriegen zu lassen, “So lange es geht, werkeln wir weiter. Die Arbeit macht Spaß und hält fit“, so Dieter Schindler.
Es bleiben der Stadtverwaltung und der Redaktion des Zwönitzer Anzeigers daher Wünsche nach guter Gesundheit und weiterhin Freude an der zum Beruf gewordenen Berufung. Alles Gute!
