
Während des festlichen Bieranstichs, standen neben Bürgermeister und Braumeister auch mehrere junge Frauen mit Schärpe auf der Bühne: Eine davon
war die Sächsische Milchkönigin Nancy Büttner. Für die 27-jährige Landwirtin aus Brünlos war es nur einer von derzeit noch elf Terminen, die in diesem Jahr für sie als Milchkönigin anstehen, darunter der Sächsische Milchrindtag im Buntspeicher. Wer genauer hinschaut und hinhört, entdeckt hinter dem repräsentativen Titel aber vor allem eine junge Frau, die mit ganzer Überzeugung für ihre Heimat und eine moderne Landwirtschaft steht. Milchkönigin wurde Nancy Büttner jedoch nicht einfach so. Wer sich bewirbt, braucht einen echten Bezug zur Milch- und Molkereiwirtschaft und muss sich einem Casting mit Wissenstest, Vortrag und einer großen Fachjury stellen. Seit Nancy Büttner diesen Prozess erfolgreich durchlaufen hat, repräsentiert sie die sächsische Milch- und Molkereiwirtschaft, gestaltet Hoffeste und Messen mit, ist auf Instagram aktiv und bringt Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft ins Gespräch miteinander.
Im Berufsalltag ist sie allerdings keine Hoheit, sondern Landwirtin: Seit ihrem 23. Lebensjahr leitet Nancy Büttner die Milchproduktion der Agrargenossenschaft Dorfchemnitz, die zusammen mit der Tochterfirma GOAG rund 860 Milchkühe samt Nachzucht hält. Davon stehen ca. 370 Milchkühe und 60 Kälber im Stall in Dorfchemnitz und 270 Jungtiere im Jungrinderstall Brünlos bzw. ein Teil in der Saison auf der Weide.
„Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich dafür vielleicht zu jung bin“, sagt sie über ihre frühe Führungsrolle. Sie habe einfach gewusst, dass sie diese Aufgabe machen möchte, und sei den Entscheidungsträgern der Genossenschaft bis heute
dankbar, dass man ihr damals das Vertrauen geschenkt habe. Neben der Milchproduktion kümmert sie sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit des Betriebs und gibt auf Instagram Einblicke in den Hofalltag. Dort durften die Follower zuletzt sogar den Namen für ein neugeborenes Kalb aussuchen. Am Ende gewann „Ida“. (s. Titelbild)
Am deutlichsten zeigt sich ihr Gestaltungswille im sogenannten Kälberdorf, mit dem der Betrieb die Kälberaufzucht von Grund auf neu gedacht hat. Früher lebten die Kälber in einer großen Gruppe mit ganz unterschiedlichen Altersstufen zusammen, was Krankheiten begünstigte. Heute leben sie paarweise in kleinen Doppeliglus mit eigenem Auslauf und ziehen als eingespieltes Team später gemeinsam in den Jungrinderstall um. Das Prinzip folgt einer einfachen Erkenntnis: Auch Kälber können enge Freundschaften schließen, und in kleinen, altersähnlichen Gruppen lassen sie sich einfach besser betreuen. Die Zahlen sprechen für sich. Erkrankungen kommen inzwischen nur noch vereinzelt und
meist leicht vor, der Tierarzt wird fast nur noch zum Impfen gebraucht, nennenswerte Verluste gibt es kaum noch. Die täglichen Zunahmen liegen bei bis zu 1200 Gramm, ein Wert, der in der Branche als Goldstandard gilt und für gesunde, zufriedene Tiere spricht.
Für diese Weiterentwicklung wurde sie mit dem Nachwuchspreis „Agrarheld“ des
Genoverbands ausgezeichnet. Für Nancy Büttner ist das vor allem eine Anerkennung dafür, dass sich der Betrieb konsequent mit dem Thema Tierwohl auseinandergesetzt hat. Besonders freut sie, dass das Konzept auch außerhalb der eigenen Hoftore Beachtung findet und vielleicht auch anderen Betrieben hilft, ihren Kälbern bessere Bedingungen zu bieten.
Dass Tiergesundheit für Nancy Büttner an erster Stelle steht, zeigt sich auch bei einem weiteren Baustein moderner Landwirtschaft: Jede Kuh im Betrieb trägt einen kleinen Tracker, der verschiedene Werte misst, etwa die Trinkmenge, die Wiederkäuaktivität oder die Körpertemperatur. So lässt sich frühzeitig erkennen,
wenn es einem Tier nicht gut geht, und man kann schon im ersten Stadium mit pflanzlichen Mitteln gegensteuern, bevor überhaupt Antibiotika nötig werden. Für Nancy Büttner ist das längst keine Besonderheit mehr, sondern gängige Praxis in modernen Betrieben, wie sie betont: Millionen Kühe tragen inzwischen einen solchen Sensor.
Dass moderne Technik und Tierwohl so eng zusammengehören, will Nancy Büttner auch an die nächste Generation weitergeben. Als Ausbilderin setzt sie deshalb genau dort an. Fünf Auszubildende hat sie bereits erfolgreich zum Abschluss begleitet, aktuell lernen sechs junge Menschen bei ihr den Beruf des Landwirts oder der Tierwirtin. Jungen Leuten rät sie, schon in der Schulzeit Praktika in landwirtschaftlichen Betrieben zu nutzen und sich auch über Instagram ein Bild vom Berufsalltag zu machen. Wenn man jungen Menschen
durch eine gute, ernsthafte Ausbildung zeige, wie vielseitig und modern Landwirtschaft sein kann, seien sie selbst die beste Werbung für den Betrieb, davon ist Nancy Büttner überzeugt.
Mit ihrem Engagement als Milchkönigin, ihrer Verantwortung im Betrieb und ihrem Einsatz für den Nachwuchs zeigt Nancy Büttner eindrucksvoll, wie Tradition und Moderne in der Landwirtschaft zusammenfinden können. Die Stadt Zwönitz und die Redaktion des Zwönitzer Anzeigers wünschen ihr für ihre weitere
Amtszeit als Sächsische Milchkönigin sowie für ihren Berufsweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Eine Milchkönigin aus Brünlos, höre bzw. lese ich gern, stamme ich auch aus Brünlos, lebe aber seit Jahrzehnten in Greifswald.Mit der Landwirtschaft habe ich nichts zu tun, außer dass ich natürlich gern gute Produkte kaufen möchte und den Tieren gute Lebensbedingungen wünsche.
Daher von meiner Seite für Nancy alles Gute und weiterhin viel Erfolg!!