Titelbild: „beim Tische-Carl“, aufgenommen im Sommer 1995

von Falk Drechsel

Im September 2025 erschien an dieser Stelle bereits die Geschichte zum Hormersdorfer Spitznamen „Tische-Franz“ und seinen Vorfahren. Nun soll der Blick auf den Spitznamen „Tische- Carl“ gerichtet werden. Gleich vorweg sei klargestellt: Der Tische-Franz und der Tische-Carl waren nicht miteinander verwandt. Die eine Familie hieß Weisbach, die andere Vorberg mit Nachnamen. In beiden Familien spielte jedoch der holzverarbeitende Beruf über Generationen hinweg eine prägende Rolle. Im oberen Ortsteil von Hormersdorf, Obere Dorfstraße 37 (Ortslistennummer 31), stehen zwei Fachwerkhäuser Giebel an Giebel. Die linke Haushälfte wurde um 1904 durch den damaligen Besitzer angebaut. Die rechte, ältere Haushälfte ist bei einigen älteren Hormersdorfern bis heute unter dem Namen „beim Tische- Carl“ bekannt. Dieses Haus blickt auf eine bemerkenswert wechselvolle Geschichte zurück. Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1714 als Siechenhaus der Gemeinde Hormersdorf. In heutigem Sprachgebrauch wür – de man von einem Pflegeheim oder Krankenhaus sprechen, wobei die damaligen Verhältnisse ungleich einfacher und ärmlicher waren. Hier wurden Menschen untergebracht, die sich während Seuchen infiziert hatten und gepflegt werden mussten. Aus den erhaltenen Rechnungen der Gemeindeverwaltung für das Jahr 1714 gehen verschiedene Ausgaben hervor: So wurde ein Kachelofen eingebaut, zudem mussten ein Schmied, ein Maurer und ein Brettschneider entlohnt werden. Auch ist belegt, dass die Gemeinde 26 Groschen für die Verpflegung von zwei Kranken aufbrachte.

Wilhelm Vorberg (1848-1931), der „Tische- Carl-Wilhelm“, Die Orden v.li.: Militärverein Hormersdorf, Militärverein Hormersdorf Vorstandsmitglied, Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870–71 und Kaiser Wilhelm I. Erinnerungsmedaille 1897, Vereinsabzeichen

Bereits vier Jahre später beanstandete der Stollberger Amtmann im Jahr 1718 den Standort des Siechenhauses als „unrühmlich“ und ordnete an, die Einrichtung an einem geeigneteren Ort neu zu errichten. Infolgedessen verkaufte die Gemeinde das Gebäude am 28. Dezember 1718 an Friedrich Pfüller.

Im Folgenden soll die Reihe der Hausbesitzer dargestellt werden. Die in Klammern angegebenen Jahreszahlen bezeichnen die Geburts- und Sterbejahre der jeweiligen Eigentümer:

1714 – 1718 Siechenhaus der Gemeinde Hormersdorf
1718 – 1738 Friedrich Pfüller (1686 – 1738) an Sohn
1738 – 1756 Christian Pfüller (1712 – 1786)
1756 – 1758 Johann Gottlieb Gödel (1733 – 1777)
1758 – 1795 Gottfried Kretzschmar (1724 – 1799) an Sohn
1795 – ca. 1849/1855 Christian Friedrich Kretzschmar (1775 – 1849) an Schwiegersohn
ca. 1849/1855 – 1881 Carl Gottfried Vorberg (1812 – 1879) an Sohn
1881 – 1909 Carl Wilhelm Vorberg (1848 – 1931) an Sohn
1909 – ca. 1955 Karl Otto Vorberg (1879 – 1955) an Sohn
ca. 1955 – 1988 Karl Otto Vorberg (1902 – 1988) an Sohn
1988 – 2003 Otto Harti Vorberg (1927 – 2003) an Witwe
2003 – 2009 Trude Hilma Vorberg geb. Peter (1924 – 2018) an Großneffe
seit 2009 Rico Branke (*1969)