Zwei Jahre mussten die Zwönitzerinnen und Zwönitzer sowie die vielen treuen Besucher aus Nah und Fern auf den Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt warten. Am 25.11.2022 war es dann endlich wieder soweit: die Zwönitzer Hutzentage wurden feierlich eröffnet. Von der Marktbühne schallte das „Licht An!“ des Bürgermeisters in alle Ecken der Innenstadt und das Lichtermeer mit dem stattlichen Weihnachtsbaum im Zentrum des Marktes versetzte die vielen Zuschauer vor Ort und an den Bildschirmen zu Hause in Adventsstimmung. Wie in den vergangenen beiden Jahren wurde das Ahlichteln wieder im Internet als Livestream übertragen und so konnten neben den vielen Menschen vor Ort auch jene, die leider nicht in der Stadt sein konnten, das Spektakel mitverfolgen. Angeführt von den Zwönitzer Nachtwächtern, Engel und Bergmann, den „Fidelen Jungs“ und dem Bergmännischen Traditionsverein Zwönitz in seinem schmucken Habit und begleitet der von der Jugendfeuerwehr setzte sich Umzug von der Brauerei zum Markt in Bewegung. Mit dabei waren auch die Besucher, die zuvor im Saal der Brauerei das traditionelle „Ahlichteln“ – einen Hutzenabend, diesmal mit den Zwönitzer Bergbläsern, den Bergsängern Geyer und den Crottendorfer Spatzen, erlebt hatten. Empfangen wurden sie von unzähligen Zwönitzern und Gästen, die dem großen Moment entgegenfieberten und sich auch von Regentropfen nicht abhalten ließen.

Mit Linsen, Bratwurst und erzgebirgischer Musik wurden die Gäste zum Ahlichteln in der Brauerei verwöhnt.
Die Nachtwächter tragen mit ihren Laternen das Licht zum Markt.

Auf der großen Marktbühne warteten schon die Drehorgelfreunde. Bürgermeister Wolfgang Triebert begrüßte die Gäste und gab das Signal zum „Licht An!“. Elf „Steckerlinge“ taten ihre Pflicht und schon erstrahlte der Marktplatz in seinem festlichen Glanz. Auch die Glühweinbuden, die kurzzeitig ohne Strom waren, wurden wieder versorgt und brachten den Wein wieder auf die richtige Temperatur. Nach deftigen Sprüchen unserer beiden Nachtwächter Werner Störzel und Karl- Heinz Draheim mit ihren Nachwuchswächtern Hannes, Mathis, Jason und Michel begrüßte Bürgermeister Wolfgang Triebert die Drehorgelfreunde aus Berlin und der Schweiz. Weihnachtliche Melodien erklangen auf den historischen Instrumenten, bevor sich das erste Türchen des Zwönitzer Adventskalenders an der Rathausfassade öffnete. Enthüllt wurde eine Fotografie von Patrick Eichler/Greifensteinregion welche das Zwönitzer Nachtwächterdenkmal an der Langen Gasse zeigt. Freundliche Worte von Silvio Zschage, dem Moderator des MDR Sachsen Morgenradio begleiteten die Zeremonie. Weitere Darbietungen der Drehorgelfreunde folgten und die Fidelen Jungs ließen mit ihren traditionellen Bläserstücken das Bühnenprogramm ausklingen. An der Feuerschale, welche von der Jugendfeuerwehr betreut wurde, ließen sich Besucher heiße Getränke und Bratwurst munden und erfreuten sich an Gesprächen mit Bekannten und Freunden. Besonders froh machte uns auch, dass die Freunde aus den Partnerstädten Magyarpolány und Heiligenhaus wieder bei uns zu Gast waren und uns mit ungarischen Wein und Eierpunsch verwöhnten.

Bühnenprogramm am Freitagabend
Live gesendet aus Zwäntz in alle Welt.

Der Samstag der Hutzentage begann ebenso traditionell. Die Posaunen der Bläser vom Posaunenchor der Ev.-meth. Kirche ertönten vom Rathausturm und boten die perfekte Einstimmung für die Weihnachtsmannparade und das Anschieben der Pyramide am Markt. Unterstützt wurden sie dabei von den „Fidelen Jungs“ und dem Chor der Grundschule Brünlos. Die Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen waren wieder zahlreich angetreten, um die Pyramide in Gang zu bringen und auch viele Pferdefreunde hatten es sich nicht nehmen lassen, ihre Pferdchen schmuck herauszuputzen und die Wichtel zum Markt zu fahren.

Ponykutschen, Grundschulkinder und viele Rotmäntel auf dem Weg zum Pyramide anschieben.
Schaubild zur Weihnachtsmannparade

Der Oberweihnachtsmann, den wir in diesem Jahr schweren Herzens verabschieden und in seinen wohlverdienten Ruhestand entlassen müssen, übernahm das Kommando. Er mobilisierte die kleinen und großen Besucher, die Rotmäntel mit einem kräftigen „Hau-Ruck“ beim Anschieben, der Pyramide zu unterstützen. Nach mehreren Anläufen drehte sich das gute alte Stück begleitet von begeistertem Applaus. Jetzt durften die Weihnachtsmänner und -frauen zu den Kindern. Sie freuten sich über so manches Gedicht und Liedchen, welches natürlich mit Naschwerk belohnt wurde. Auf dem Markt und in der gesamten Innenstadt boten insgesamt 87 Buden traditionelle Leckereien, erzgebirgische Waren und so manche Geschenkidee für das bevorstehende Weihnachtsfest. Eine Neuerung war die Bude direkt vor dem Rathaus, welche mit einer Krippe an den Ursprung der Advents- und Weihnachtszeit erinnerte. Das ganze Wochenende über konnte man dort Christen antreffen, die ein Gespräch oder ein Gebet anboten, Segenswünsche und kleine Geschenke verteilten. Auch eine kleine Kiste stand bereit, in die Gebetsanliegen eingeworfen werden konnten.

Der Oberweihnachtsmann verabschiedet sich im Kreis seiner Lieben in den Ruhestand.
Begegnung an der Krippe mitten auf dem Zwönitzer Weihnachtsmarkt

Die jüngsten Besucher konnten Ponyreiten, Karussellfahren oder in der Bastelstube der Stadtbibliothek Geschenke für Eltern und Großeltern basteln. Auf der Langen Gasse wurde es derweil winterlich, Frau Holle hatte sich angekündigt. Das Theaterstück „Frau Holle verliert die Kontrolle“ wurde aus zwei Fenstern vom Theater Schreiber & Post aufgeführt. In diesem Jahr fühlte sich Frau Holle gar nicht gut, daher ließ sich der Engel allerlei einfallen um sie aufzumuntern und zu kurieren. Bestens unterhalten fühlte sich die Menschenmenge, die von unten das Spektakel mit Schmunzeln verfolgte. Aber am Ende ist wie immer alles gut und die Flocken stieben zur Erde um die Menschenkinder zu erfreuen.

Frau Holle und der Engel hatten am Ende doch wieder alles unter Kontrolle.

Das Drehorgelkonzert in der Trinitatiskirche war wieder bestens besucht. Den historischen Drehorgeln wurden adventliche und klassische Stücke entlockt, welche die Besucher in Staunen versetzten.

Drehorgelkonzert in der Trinitatiskirche

Auf der Marktbühne unterhielten derweil die Schüler der Freien Evangelischen Grunschule Hormersdorf mit einem liebevoll eingeübten Programm, gefolgt von Bläserklängen des Posaunenchores Dorfchemnitz.

Zum ersten Mal waren die Hormersdorfer Grundschulkinder im Bühnenprogramm dabei.

Kurz nach 17:00 Uhr startete an der Wiesenstraße der Höhepunkt des Wochenendes: der abendliche Bergaufzug mit über 500 Trachtenträgern aus 18 Bergbrüderschaften, Bergknappschaften und Bergmännischen Traditionsvereinen, darunter 3 Bergkapellen. Dicht gedrängt säumten die Besucher die gesamte Wegstrecke bis zum Marktplatz. Die Kameraden der FFW hatten alle Hände voll zu tun diese freizuhalten. Moderiert von Marco Nobis bahnte sich der Aufzug unter dem Applaus der Zuschauer seinen Weg über die Lange Gasse hin zum Markt, um sich rings um Pyramide und Postmeilensäule zu einem großen Schaubild aufzustellen. Das Abschlusskonzert der Bergkapellen – es musizierten der Bergmännische Musikverein Jöhstadt/Grumbach und der Bergmännische Musikverein Ehrenfriedersdorf – wurde dirigiert von Uwe Wendler. Gemeinsamen sangen alle Bergbrüder, -frauen und tausende Besucher „Glück Auf, der Steiger kommt“, ab der zweiten Strophe sogar a cappella. Ein unvergessliches Erlebnis, welches für das geduldige Warten und die kalten Füße entschädigte und bei dem ein oder anderen wohl gleichzeitig für Gänsehaut-Momente sorgte.

Schaubild zur abendlichen Bergparade

Zu den Klängen des Jöhstädter Bergmarsches erfolgte der Ausmarsch der Bergbruderschaften unter dem dankbaren Applaus der Besucher. Während nun auf dem Markt sprichwörtlich „kein Äppel zur Erde ging“ hatte auf der Marktbühne der Bergmusikkorps „Frisch Glück“ Annaberg-Buchholz/Frohnau e.V. Platz genommen und erfreute mit bergmännischen, erzgebirgischen und weihnachtlichen Weisen. Die Schlangen an den „Frassbuden“ wuchsen ins Unermessliche und doch warteten die Besucher geduldig bis sie an der Reihe waren. Ein Kompliment auch den vielen Standbetreibern für ihre Ausdauer! Den musikalischen Bühnenausklang übernahm der Jugendchor der Kath. Kirchgemeinde Zwönitz. Besinnlich und flott brachten sie uns die gute Botschaft der Advents- und Weihnachtszeit mit ihren Liedern nahe. So manches Bein zuckte bei den Gospelklängen in der Glühwein geschwängerten Marktluft. Der Sonntagvormittag stand ganz im Zeichen der Gottesdienste in den Kirchen der Stadt und den Ortsteilen. Auf der Marktbühne eröffneten die Bergbläser das musikalische Programm in der Hutzenstube. Am Nachmittag erfreuten auf einer sehr sonnigen Bühne die Zwäntzer Maad mit erzgebirgischer Mundart, bei der so mancher Uhiesscher die Ohren spitzen musste.

Die Zwäntzer Maad verkosten mit Bäckermeister und Bäckerstochter den Riesenstollen.

Besonders freuen wir uns, dass wir die Bäckerei Bretschneider gewinnen konnten, die Tradition des Riesenstollens zu den Hutzentagen weiterzuführen. Was einst mit Bernd Groß und seiner Bäckerei in Kühnhaide begann und vom Lindner Bäck‘ über Jahre fortgeführt wurde liegt nun in Händen von Bäckermeister Markus Bretschneider. Die Zwäntzer Maad halfen beim Anschnitt und verkosteten das leckere Gebäck. Verkauft wurde der Stollen vor der Filiale der Bäckerei in der Langen Gasse. Zur Nachmittagszeit reiste dann – wie auch schon am Samstag – der Weihnachtsmann mit der Ponykutsche von Maik Friedrich an, um den Wunschbriefkasten zu leeren. Viele hoffnungsvolle Gesichter warten nun, ob sich ihre Wünsche auch erfüllen werden. Und wieder gab es Gedichte, Lieder und Süßkram.

Dicht umringt war der Weihnachtsmann beim Leeren des Wunschbriefkastens.

Die Erzgebirgischen Blasmusikanten Zwönitz/Affalter e.V. durften im nachmittäglichen Bühnenprogramm nicht fehlen. Gleich nach dem Öffnen des dritten Adventskalendertürchens, erfreuten die Kinderstimmen der Kurrende der Evangelischen Kirchgemeinde unter der Leitung von Sybille Fischer-Kunz.

Erzgebirgische Blasmusikanten Zwönitz in ihren schmucken neuen Habits
Kurrende-Kinder aus Trinitatis und St. Johannis

Mit feierlichen Bläserklängen der Brünloser Gruppe Merci Mercy endete das Bühnenprogramm. Lediglich der Zwönitzer Nachtwächter hatte noch das letzte Wort. Er ließ die viel zu schnell vergangenen Hutzentage nochmals Revue passieren und bedankte sich bei allen Akteuren, bei Händlern, dem Zwönitzer Bauhof, den Kameraden der FFW Zwönitz, den Technikern und Organisatoren, Musikern, Trachtenträgern, Tassenspülern, Karusselldrehern, Bastelfrauen, Pferdefreunden, Drehorgelgästen… einfach allen, die zu diesem Fest beigetragen hatten. Er versäumte nicht, schon jetzt darauf hinzuweisen, dass man sich im neuen Jahr wieder sieht. Denn dann – zu Maria Lichtmess am 2. Februar 2023 – gehen die Lichter wieder aus. Bis dahin wünschte er allen eine besondere Advents- und Weihnachtszeit, begleitet von den Bildern und Stimmen im Adventskalender unserer Stadt. Genießt eure Heimat, das Erzgebirge, und denkt dabei immer ein bisschen an diese tollen Hutzentage zurück.