Nach dem Tod von Marie Sophie Wunnerlich, geb. Otto übernimmt ihr jüngster Sohn Christian Ernst 1785 das elterliche Erbe. Dazu gehören neben dem BMG noch ein zweites Gut und Grundstücke, die nicht direkt auf den Fluren der Güter stehen. 1804 endet die Zeit der Wunnerlich´s im BMG. Obwohl in diesem Jahr der Eintrag in das Gerichtsbuch erfolgte, scheinen sie nicht sofort aus Niederzwönitz gezogen zu sein. Bis März 1805 behielten sie ihre bezahlten und reservierten Plätze in der St. Johannis-Kirche. Aus alten Unterlagen sind noch weitere Geschäftsvorgänge der Familie Wunnerlich in Zwönitz und Niederzwönitz erkennbar. So kaufte Christian Ernst 1801 in Niederzwönitz das Haus mit der BKNr. 10. Das bei Älteren als Franz-Tischler-Haus bekannte Gebäude im oberen Ortsteil besaß er nur bis 1804. Mit dem Verkauf der Häuser endet praktisch die Zeit, in der sich Mitglieder der Familie Wunnerlich dauerhaft in Niederzwönitz aufgehalten haben. Johann Albrecht, der älteste Sohn der Familie Wunnerlich/Otto war immer im Besitz der Papiermühle in Moschendorf und wird als berühmter Kauf- und Handelmann bezeichnet. Die Mühle existierte als solche bis 1858, dann wurde auf dem Gelände ein Sägewerk eingerichtet. 1878 wird das Gelände von den Wunnerlich´s verkauft. Sein Bruder Christian Ernst, dem das BMG bis 1804 gehörte, zog um 1806 nach Schlettau. Er wird als Churfürstlich Sächsischer Hofcommissar bezeichnet und ist 1809 Besitzer des Schlettauer Schlosses. In dem Jahr wird er des Mordes an einem Steuereinnehmer verdächtigt; der Beweis für seine Schuld wird nie erbracht. Er flüchtet und nimmt den Namen Christian Wendler an. Bis zu seinem Tod 1836 arbeitet er praktisch unbehelligt als Factor (Schöpfer, Beauftragter, Geschäftsführer) in Niederösterreich in einem Blaufarbenwerk. Sehr interessant sind die Geschäftsvorgänge, die im Zusammenhang mit einem Flurstück stehen, welches ganz auf Zwönitzer Flur liegt, der Rips. Dieses im Geyerschen Wald liegende Grundstück erbten die Wunnerlich ´s von der Salzhändlerfamilie Günther. Der Name Rips ist ein Vulgoname, also ein allgemein verwendeter, geläufiger Begriff für das aus Äckern, Wiesen und Wald bestehende Grundstück. 1815 verkaufte Johann Albrecht, der älteste Sohn der Familie Wunnerlich/Otto dieses Grundstück an die Kinder seines Bruders Christian Ernst. Die Kinder waren noch nicht volljährig und zu ihrem Wohl ließen es die Vormünder bereits 1817 wieder verkaufen. Es wurde von der Stadt Zwönitz ersteigert. Den Hinweis auf diese Geschäftsvorgänge verdanke ich Sonja Hildebrand, die aus dem Gerichtsbuch Nr. 95 die entsprechenden Regesten mit viel Mühe und Akribie erstellt hat. Die Begriffe Wunnerlich´s Berg und Wunnerlich´s Rips haben es sogar in alte Landkarten geschafft. Während der erste Begriff für einen nicht identifizierten Berg, möglicherweise den Buchberg steht, kann der Rips relativ genau lokalisiert werden. Er befindet sich an der alten Geyerschen Straße, wenige hundert Meter vor der Mordbrücke im Grenzgebiet zwischen Zwönitzer Stadtwald und Geyerschen Wald. Die in der Nähe der Stadtinfo auf dem Zwönitzer Markt einsehbare Landkarte, die sehr viele Flurnamen enthält, bietet eine gute Möglichkeit zur Orientierung bezüglich dieser Ortsangaben. Danach kauft der Bergmeister Carl Gotthelf Bauer kauft das Gut. Den Titel Bergmeister führten Beamte, die in einem Bergrevier das Bergbaugeschehen überwachten und damit einen großen Einfluss auf viele Abläufe in diesem Bereich hatten. Diese Personen verfügten mit Sicherheit über ein gutes Einkommen. Dass ein pensionierter Bergmeister aus Marienberg sich ein Bauerngut in Niederzwönitz als Wohnstätte aussuchte, spricht für die Qualität dieses Gebäudes. Das Ganze wird etwas verständlicher, wenn seine Herkunft betrachtet wird. Der Bergbauexperte Bernd Descher gab mir einen Hinweis, so dass die Spur in Geyer aufgenommen werden konnte. Demnach wurde Bauer vor 1759 geboren, sehr wahrscheinlich in der Umgebung von Geyer. Er heiratete 1779 in Geyer die Tochter eines Knappschaftsältesten aus Annaberg, der in Frohnau Angesessener war. Bauer war in Geyer Berggeschworener und erhielt 1800 das Bergamt in Marienberg, wurde wegen Kränklichkeit auf sein Ansuchen im März 1806 in den Ruhestand versetzt. Er kaufte das BMG also in seiner aktiven Zeit als Bergmeister und behielt es auch nach seiner Pensionierung. Genau wie die Vorbesitzer bewirtschaftete er die zum Gut gehörenden Felder und Wälder nicht selbst, sondern er verpachtete diese. Dazu noch ein interessantes Detail. Der Begriff Pächter ist neueren Datums. Handschriftlich wird in der alten Literatur aber Pachter geschrieben. Auch heute wird Pachter noch verwendet. Mir ist die Ortsangabe „beim Pachter-Karl“ für ein Haus am Turnhallenweg noch in guter Erinnerung. Wie ging es mit dem BMG weiter? August Schumann beschreibt es in seinem Lexikon 1820 als “… ein Bauerngut, welches schöner, als manches Rittergut gebaut ist …“ Bauer besaß das Haus 18 Jahre bis 1822. Dann erwarb es Johann Christian Roscher (1788 – 1850), der in Niederzwönitz zur Welt kam. Sein gleichnamiger Vater (1754 – 1829) wurde in Dorfchemnitz geboren und heiratete auch dort. Die finanziellen Möglichkeiten der Familie müssen sehr gut gewesen sein, da der Erstgenannte seinem Sohn Johann Christian (1814 – 1891) den Start ins Berufsleben finanzieren konnte. Der Vater (geb. 1788) kaufte 1835 seinem etwa 20-jährigen Sohn, zu diesem Zeitpunkt als Mühlbursche bezeichnet, die in der Innenstadt von Zwönitz liegende Tauscher-Mühle. Auf dem Gelände der 1908 abgebrannten Mühle steht seit 1993 ein Wohn- und Geschäftshaus, u.a. mit der Stadt-Apotheke. Übrigens war die Mutter des zukünftigen Mühlenbesitzers die Tochter eines Gutsund Mühlenbesitzers aus Kühnhaide. 1838 kommt es zu dem für das weitere Bestehen des Bergmeistergutes entscheidenden Schritt. Nach dem Häuserbuch von Niederzwönitz kaufte August Caspar Ferdinand Dam v. Schönberg, der Lehn- und Gerichtsherr von Niederzwönitz, das Gut von Johann Christian Roscher. Dies ist ein weiterer Beweis für die herausragende Stellung des Gebäudes. Der Familie diente es erst nur als Sommerwohnsitz, nach einem Brand 1881 im Rittergut als ständiger Wohnsitz. Fazit. Das noch heute als Bergmeistergut bezeichnete ehemalige Bauerngut in Niederzwönitz gehört zu den optisch eindrucksvollsten Gebäuden im Ort. Beginnend mit der Papier- und Salzhändlerfamilie Günther, die Familie Wunnerlich, den Bergmeister Bauer, die Familie Roscher, bis zur Familie von Schönberg nahm das Gebäude eine Entwicklung, das es zu dem macht, was es heute darstellt. Mehr als eine Episode ist dabei die Zeit, in der die Familie Wunnerlich aus Franken in Niederzwönitz arbeitete und wohnte. Als Besitzer einer erfolgreichen Papiermühle bei der Stadt Hof hat sie auch in Niederzwönitz als Händler Spuren hinterlassen. Während das Wirken der Familie hier im Ort nur noch in alten Dokumenten ersichtlich ist, bleibt sie weiter erfolgreich in Franken aktiv. Die Familie ist noch heute hochangesehen und präsent. Carl Gotthelf Bauer, der es in seiner beruflichen Entwicklung zum Bergmeister brachte und das Gebäude keine 20 Jahre besaß, wird letztlich bis heute zum Namensgeber für das Haus. Die längste Zeit seiner Existenz ist das Haus im Besitz der Familie der einstigen Lehn- und Gerichtsherren von Niederzwönitz. Bis auf die Zeit von 1945 bis 1992 ist es über 180 Jahre ihr Eigentum. Die Familie von Schönberg lebt und bewirtschaftet das an einen großen Garten grenzende Gebäude und bewahrt damit auch die Arbeit der Vorbesitzer. Der Name Bergmeistergut wirbt heute auch für die darin befindlichen Ferienwohnungen und wird hoffentlich noch lange für ein optisch wunderschönes Haus in Niederzwönitz stehen. Werbung für das Haus heute: Traditioneller Name für modernes Innenleben An dieser Stelle soll noch eine Frage beantwortet werden, die in die Kategorie Feuilleton gehört. Lässt sich ein Bogen spannen von Niederzwönitz zu dem 1494 in Nürnberg geborenen Schuhmacher und Meistersinger Hans Sachs? Die Familie Gipser, in die 1691 Johann Albrecht Wunnerlich, praktisch der Urahn der Hofer und damit auch Niederzwönitzer Wunnerlich´s einheiratete, sieht in ihrer Ahnenlinie den genannten Spruchdichter aus Franken. Der Bogen kann also gespannt werden, auch wenn er zum großen Teil aus Papier besteht! Um den Text, der möglichst lesbar und informativ sein soll, nicht mit Quellenangaben zu überfrachten, wird in diesem Rahmen weitestgehend darauf verzichtet bzw. nur grob darauf verwiesen. Ein detailliertes Quellenverzeichnis und die genauen Datumsangaben zu Geburt, Trauung und Tod von Personen können vom Autor angefordert werden. Obwohl der Versuch unternommen wird, möglichst verständliche und einfache Formulierungen zu verwenden, lassen sich Begriffe nicht vermeiden, deren genaue Bedeutung sich der Leser durch externe Informationsquellen erschließen muss. Die Vielzahl von Datumsangaben dient der genauen Einordnung von Lebensläufen und Vorgängen. Persönliche

Schlussbemerkung: Der Autor dieser Zeilen war überrascht, dass es in der Niederzwönitzer Ortsgeschichte einen kleinen Zeitraum gab, in dem sein Heimatort so eng mit Franken und der Stadt Hof verbunden war. 23 Jahre Arbeit in der Nähe von Hof haben bei mir Spuren hinterlassen, so dass letztlich ein persönliches Interesse wuchs, sich näher mit ein paar Detailfragen zu diesem Thema zu beschäftigen. Soll es auch in Zukunft zwischen dem Erzgebirge und Franken gedeihen. Glück auf!