Am Tag des offenen Denkmals 2024 führte der Kirchenvorsteher Thomas Vorberg interessierte Gäste in die Dorfkirche Hormersdorf. Die Fragen wollten kaum abreißen: Wann wurde das Gotteshaus erbaut? Was bedeutet der Schriftzug an der Decke? Seit wann gibt es die Orgel? Kann man einmal hinauf zu den Glocken?

Und dann kam die Frage, die alles ins Rollen brachte: Was sind das eigentlich für Grabsteine an der Kirche und an der Friedhofsmauer – und was steht darauf?

Man konnte die verwitterten Schriftzüge gerade noch erahnen, aber für ein sicheres Lesen reichte es nicht. Die Antwort lautete: Das müsste man erst gründlich recherchieren.

Passend dazu bot sich eine Gelegenheit: Im Rahmen der Fördermittel zur Entwicklung der Greifenstein-Region war ohnehin die Restaurierung der Kirchhofmauer sowie die Instandsetzung der alten Grabsteine vorgesehen. Dabei entstand die Idee, die uralten Inschriften nicht nur zu sichern, sondern auch für Friedhofsbesucher wieder lesbar zu machen.

Übersetzung mit Leidenschaft – und modernen Mitteln

Eine besondere Aufgabe übernahm der Heimatforscher Falk Drechsel: Er wurde gebeten, die alten, zum Teil kaum noch lesbaren Inschriften zu entziffern und zu übersetzen. Viele Texte konnten auf diese Weise bereits gerettet werden – doch bei einigen Steinen waren die Buchstaben so stark verblasst oder beschädigt, dass selbst erfahrene Augen an ihre Grenzen kamen.

Um auch diese Inschriften zugänglich zu machen, wandte sich Falk Drechsel an das Zwönitzer Projekt Smart City. Über dieses Netzwerk entstand der Kontakt zu Herrn Martin Wachsmuth, Projektmitarbeiter im städtischen Makerspace. Mit seiner Unterstützung kam eine innovative Technik zum Einsatz: die sogenannte Fotogrammetrie.

Aus Fotos wird ein 3D-Modell – alte Inschriften neu sichtbar

Für jedes der betroffenen Grabmale wurden zahlreiche Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen – insgesamt ca. 200 Bilder pro Stein. Diese Aufnahmen wurden anschließend mithilfe spezieller Software zu dreidimensionalen Modellen verarbeitet. Die Technik dahinter basiert auf dem Prinzip, aus der Überlagerung vieler Einzelbilder präzise 3D-Daten zu berechnen – sogenannte Punktwolken oder Mesh-Modelle.

Diese digitalen Modelle ermöglichen es, selbst feinste Vertiefungen und erhabene Strukturen auf der Oberfläche sichtbar zu machen – auch dann, wenn sie mit bloßem Auge kaum noch erkennbar sind. So konnten wichtige Inschriftenabschnitte doch noch lesbar gemacht und inhaltlich erschlossen werden.

Damit wurde ein modernes Restaurierungswerkzeug geschaffen, das die historische Arbeit ideal ergänzt – eine gelungene Verbindung aus Heimatforschung und digitaler Technik.

Ein herzliches Dankeschön gilt dem Team von Smart City Zwönitz und insbesondere Herrn Wachsmuth, dessen technisches Können und Engagement dieses außergewöhnliche Projekt ermöglicht haben.