Eines steht über allem: Möge das neue Jahr uns Gesundheit und Glück bringen, mögen die aktuellen Probleme unseres Landes politischer und wirtschaftlicher Art irgendwie gelöst werden und vor allem mögen die Kriege dieser Welt und nun auch in Europa bald ein friedliches und ausgleichendes Ende finden. Ja, mit diesen und ganz ähnlichen Empfindungen haben wir vor wenigen Wochen das neue Jahr begrüßt. Der Tradition folgend lud nun am Montag, den 19. Januar 2026 der Gewerbe- und Verkehrsverein Zwönitz e.V. zu einem Neujahrsempfang in den großen Saal des Brauereigasthofes ein. Das neue Jahr im Rahmen eines Empfangs zu begrüßen, ist eine alte und schöne Sitte, schafft sie doch eine Gelegenheit, sich kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig zu informieren und zu vernetzen – also alles das, was die imaginäre Aufgabe eines Gewerbevereins darstellt.
Und so waren viele Mitglieder und Vereine unserer Stadt mit ihren Vertretern erschienen und hörten in einem vollen und festlich geschmückten Brauereisaal die Worte vom Vorsitzenden Dominik Naumann. Der ließ es sich nicht nehmen, nach einigen einleitenden Worten der Begrüßung und des Danks, auf einige aktuelle Themen einzugehen. Derer gibt es natürlich viele. Da ist zum einen der umfangreiche Veranstaltungskalender, wo der Gewerbe- und Verkehrsverein mit großem Aufwand alljährlich das Kirmeswochenende gestaltet. Aber auch die Einkaufsnacht, das Rennwolfrennen und der Stollenkönig sind längst feste Einträge im Zwönitzer Stadtleben, deren Erhaltung trotz wirtschaftlich schwieriger Zeit das Ziel ist. Außerdem, und das ist durchaus ein Quantensprung, ist nunmehr auch die Internetseite www.gewerbeverein-zwoenitz.de ins Netz gegangen. Sehr interessant für jeden, der sich informieren will, im Sinne des weitreichenden Zwönitzer Netzwerkes aus aktuell 104 Mitgliedern, die alle mit Visitenkarte vermerkt sind. Da kann man erstmal erkennen, wen und was es alles so in Zwönitz gibt und es bleibt zu wünschen, dass möglichst viel darauf zurückgegriffen wird. Dominik Naumann bedankte sich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei den Machern der Vereinsseite, die redaktionell und federführend von Carsten Roth erstellt und vom Team um Alexander und Robert Walther von Softlevel ins Werk gebracht wurde. Bürgermeister Wolfgang Triebert ergriff die Gelegenheit, ein paar Grüße und Dankesworte an die Versammelten zu richten. Dabei versicherte er seine und die Unterstützung der Stadt für die Zwönitzer Gewerbetreibenden, die mit ihrer Leistung letztlich auch die Finanziers unseres Gemeinwesens darstellen. Immerhin, und das ist außergewöhnlich, trotzt die Zwönitzer Wirtschaft im Schnitt den aktuellen wirtschaftlichen Problemen, sodass sogar die Einnahmen aus der Gewerbesteuer im Stadtsäckel im letzten Jahr, entgegen aller Trends, gestiegen waren und so das gesunde Bild unserer Heimatstadt unterstrichen. Das ist und bleibt das Ziel, eine funktionierende Stadt, die mit wirtschaftlichen Angeboten, einem attraktiven Stadtbild, Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten sowie nicht zuletzt mit einem reichhaltigen kulturellem Angebot nach innen und außen in Erscheinung treten will. Dass unsere Stadt sich in so vielem positiv abhebt, ist nicht zuletzt der Lebensleistung derer zu verdanken, die nach der politischen Wende um 1990 in Zwönitz das Heft des Handels in die Hand genommen hatten. In jenen Jahren wurden die Grundlagen gelegt, auf denen heute alles steht. Schon deshalb ist Dankbarkeit gegenüber jenen mehr als angesagt. Dass jene Generation von Gründervätern und -müttern nun zunehmend aus der Verantwortung zurücktritt, ist ein natürlicher Prozess. Im Gewerbeverein hatte ein solcher Umbruch um bereits 2015 stattgefunden, wo die alte erprobte Führungsspitze signalisiert hatte, dass es so nicht mehr weitergehen könne. Dazu gehörten seinerzeit noch Frieder Thiermann, Klaus Bentlin, der damalige Vorsitzende Ekkehard Thieme und nicht zuletzt Anja Schlitz, die die Fahne in bewundernswürdiger Weise hochgehalten hatten. Einzig die Anja ist bis heute in zentraler Funktion noch dabei und ganz unverzichtbar.
Das inzwischen für Generationen von Kindern und Eltern legendäre Spielzeuggeschäft Thiermann auf der Alten Schulstraße kennt wohl jeder. Doch auch hier ist nun das Ende nahe, findet ein Verkauf nur noch im Sinne eines Abverkaufs statt. Da es aber gerechtfertigt ist, Frieder Thiermann noch einmal Danke zu sagen und ihn gebührend aus dem Kreise der Gewerbetreibenden zu verabschieden, übergab Dominik Naumann dem Vorstandsmitglied Tim Schneider das Wort (Bild rechts). Schneider beschrieb jene Zeit vor 35 Jahren als eine große Phase der Hoffnung, unser sichtbar heruntergewirtschaftetes Land unter dem Zeichen der Marktwirtschaft wieder aufzubauen, die verheerenden Spuren des realexistierenden Sozialismus zu beseitigen. Dazu bedurfte es Menschen mit Unternehmergeist und Initiative. Über solches verfügte Frieder Thiermann, der leider aus gesundheitlichen Gründen dem Neujahrsempfang nicht beiwohnen konnte. Die Basis gelegt hatte sicher bei ihm schon der Vater, Heinz Thiermann, vielen Zwönitzern noch als Werkenlehrer in bleibender Erinnerung. Was wurde dort alles noch den Kindern beigebracht und gebaut. Da wurde gebohrt, gesägt und gehämmert mit dem Ergebnis, dass man lernte, noch einen Nagel sprichwörtlich gerade in die Wand zu bekommen. Das hatte sicher auch der kleine Frieder so erfahren, womit er befähigt war, als einer der ersten sein Haus auf der Alten Schulstraße ganz im Sinne der Tradition wieder herzurichten. Ein Vorbild für viele in den folgenden Jahren, sodass unser Zwönitz heute eben wieder im Glanze vieler schöner, der Baukultur entsprechender Fassaden, erstrahlt. Die Wiedererrichtung unserer schönen Altstadt war eines seiner großen Lebensthemen. Im Stadtrat und im technischen Ausschuss von 1990 bis 2009 war er im Verbund mit vielen anderen ein verlässlicher und meinungsstarker Streiter für unsere Stadt. Genauso wie im 1992 wiedergegründeten ausgesprochen aktiven Gewerbeverein, damals unter der Führung des auch heute anwesenden Bernd Faulhabers, wo er sich mit ganz viel Engagement einbrachte. Das ist nunmehr alles bereits Geschichte und bedürfte längst einer tieferen historischen Betrachtung, die hier nicht leistbar ist. Doch was man nach Schneiders Worten daraus ableiten kann ist, dass wir dringend wieder einer zahlenmäßig stärkeren und vor allem tatkräftigen Generation bedürfen, dass also unsere Zukunft ganz unbestreitbar auch von der Zahl der geborenen und ordentlich ausgebildeten Kinder abhängt. Die hatte es in den 90ern gegeben und Frieder Thiermann war einer von ihnen. Wir verneigen uns in Dankbarkeit und Anerkennung – ein kleines Geschenk wird ihm nachträglich überbracht werden! Dass es zu einem Neujahrsempfang auch etwas zu Essen und Trinken gibt, ist eine Selbstverständlichkeit und auch für eine ganz tolle Geselligkeit war mit den „Fiedler Spechte“ (Bild rechts) und deren lustigen, selbst geschriebenen erzgebirgischen Liedern und Sprüchen gesorgt. Auf alle Fälle war es wieder eine sehr gute Gelegenheit, sich miteinander des Ziels und des Weges zu versichern. Es muss, es soll, es wird weiter gehen!
Text: GVZ/Tim Schneider, Bilder: Ramona Schwabe
