Messgerätewerk Zwönitz heißt auch immer ein Blick in die Historie. Dabei gibt es bei den Stammtischen immer wieder Interessantes zu erfahren. Und auch hier im Anzeiger wollen wir diese Themen ab und zu aufgreifen. Vielen Dank an Dr. Ulrich Clauß für den folgenden Artikel.

Mancher weiß noch, dass im früheren Messgerätewerk unserer Stadt Medizintechnik, Fernschreibtechnik und die populären Tonbandgeräte hergestellt wurden. Auch von den Spiegelgalvanometern als den letzten, bis in die 1970-er Jahre produzierten und technologisch sehr anspruchsvollen Vertretern der technischen Messtechnik hat man vielleicht gehört. Doch darüber hinaus gab es in der Betriebsgeschichte auch eine Vielzahl von Produkten, die heute kaum noch bekannt sind, zu ihrer Zeit aber nicht weniger wichtig waren. Über eines davon möchte ich hier kurz erzählen: Das Netzprüfgerät düNPG1. Schon das äußere Erscheinungsbild verrät, dass es für den rauen Einsatz vor allem im Bergbau und in der chemischen Industrie in schlagwetter- und explosionsgefährdeten Bereichen entwickelt worden war. Dieses empfindliche Messgerät diente zur ständigen Überwachung von Leitungsnetzen, insbesondere von Drehstromnetzen, und zeigte Mängel an Elektromotoren oder Kabeln zuverlässig an, bzw. schaltete die betroffenen Netze sofort spannungslos, noch bevor in deren Folge eine Gefährdung der Arbeitskräfte durch Stromschlag oder Schlagwetterexplosionen auftreten konnte. Erst durch die Einführung dieses Netzprüfgerätes in die Grundstoffindustrie der DDR konnten Schutzleiternetze geschaffen werden, die schon seit langem von den Sicherheitsinspektionen gefordert worden waren. Es wurde im Jahre 1953 von meinem Vater Wolfgang Clauß entwickelt, der die Sicherheitsprobleme im Bergbau durch Schäden an elektrischen Isolationen aus seiner vorherigen Tätigkeit an der Bergbauingenieurschule Eisleben gut kannte. Patente auf diese neuartige technische Lösung wurden in der DDR, der CSSR und der VR Polen erteilt. Auch in der Schweiz erfolgte eine Patentanmeldung. Das Messgerätewerk Zwönitz stellte 1238 Stück dieses Gerätes allein in den Jahren von 1956 bis 1963 her. Die Stückzahlen der Folgejahre sind mir nicht bekannt. Wichtige Komponenten wie das enthaltene Mikroamperemeter hinter der runden Sichtscheibe und das gepolte Telegrafenrelais im Messkreis wurden im Gerätewerk Karl-Marx-Stadt hergestellt und zugeliefert. Später, Mitte der 1960-er Jahre, wurden Schutzleitersteckdosen auch in Privathaushalten eingeführt, wobei man die darauf noch nicht vorbereiteten Leitungsinstallationen oft mit dem Kompromiss der Nullung verwendete. Heute kennt man empfindliche FI-Schalter aus preisgünstiger Massenproduktion, die wie Leitungssicherungen auf die Hutschienen der Sicherungskästen montiert sind und Fehlerströme zuverlässig erkennen und den Strang abschalten. Netzprüfgeräte der früheren Art wird man inzwischen wohl nicht mehr einsetzen. Das damals gebaute Gerät war aber der Beginn der Entwicklung solcher technischen Sicherheitsmaßnahmen und hat ohne Zweifel unzählige Menschen vor gesundheitlichen Schäden bewahrt.

Text/Bild: Dr. Ulrich Clauß