
Titelbild: Altersbild von Karl Stülpner Foto: Museum für sächs. Volkskunst, Karsten Jahnke
von Falk Drechsel
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als Carl Gottfried Vorberg Eigentümer des Hauses war, bürgerte sich der Spitzname „Tische-Carl“ ein. Die Familie Vorberg war über Generationen hinweg als Zimmerleute und Tischler tätig, weshalb sich der Beiname „Tische“ fest etablierte. Wilhelm Vorberg, auch als „Tische- Carl-Wilhelm“ bekannt, nahm am Krieg von 1870/71 teil und ist auf einem erhaltenen Veteranenbild überliefert.
Neben der Besitzgeschichte ist mit dem Haus auch eine besondere Überlieferung verbunden. Der Gornsdorfer Heimatforscher und Stülpner-Biograf Steffen Scholtz berichtete mir im September 2025 Folgendes über den „Tische-Carl-Otto“: „Otto Vorberg habe ich selbst kennengelernt. Er arbeitete auch noch als Rentner im KSG in der Abteilung Investment, wo meine Mutter als Sachbearbeiterin beschäftigt war. Was er dort machte, weiss ich nicht. In einem Teil seines Hauses, welches früher eine kleine Fabrik war, stellte er dem KSG im Parterre einen Raum für Lagerzwecke zur Verfügung. Dort fanden auch Brigadefeiern statt. Zur Weihnachtszeit 1972 war ich mit meinen Eltern und einigen Kollegen meiner Mutter in diesem Raum um den historischen Weihnachtsschmuck, den Vorberg hatte, anzusehen. Es waren zum Beispiel mehrere Deckenpyramiden mit Paradiesgärten, vermutlich noch aus dem 19. Jahrhundert. Und dann stellte jemand in der Runde die Frage, ob dieser Raum die berühmte „Stülpner- Stub“ sei. „Nein, da müssen wir hochgehen“, sagte Otto Vorberg. Und dann stiegen wir die schmale Holztreppe nach oben und durften den Raum betreten.“ Soweit die Ausführungen von Steffen Scholtz.
Wie oft und über welchen Zeitraum Karl Stülpner dieses Zimmer als Quartier nutzte, ist nicht überliefert. Es scheint sich bei der Überlieferung nicht nur um ein „Hirngespinnst“ zu handeln. Stülpner muss ja nicht zwingend in seiner „wilden Zeit“ hier übernachtet haben. Es kommt auch die Zeit in Betracht, in der Stülpner umher zog und seine Geschichten in den Gasthäusern zum besten gab, also die 1830er Jahre. Otto Vorberg dürfte die Geschichte von seinem Großvater Wilhelm Vorberg gehört haben, der auf dem Veteranenbild abgebildet ist. Dieser wiederum könnte sie von seinem eigenen Vater übernommen haben.
