
Titelfoto: Klaus Jedlicka
Die umfangreichen Bauarbeiten an der Austelvilla und im Austelpark haben einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Mit der Fertigstellung des neuen Zugangs zum Park, dem neuen Spielplatz, der Sanierung der Villafassade und dem Ersatzneubau für das abgerissene Nebengebäude ist ein rund 2,95 Millionen Euro schweres Gesamtprojekt erfolgreich beendet worden. Neu geschaffen wurden ein eingeschossiges Mehrzweckgebäude mit Aufzug und barrierefreiem WC, eine vollständig sanierte Villafassade, ein neuer Zugangsweg mit Natursteinmauern, Treppen und einer Brücke über die historische Radkammer sowie ein komplett erneuerter Spielplatz.
Dieses gelungene Zwischenergebnis steht am Ende einer langen Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Austelvilla wurden1885/86 von Alexander Gustav Friedrich Austel und seiner Ehefrau Ida-Franziska im Stil der Neorenaissance erbaut und diente der wohlhabenden Zwönitzer Fabrikantenfamilie als Wohnsitz. Spätere Nutzungen umfassten unter anderem die Funktion als sowjetische Kommandantur (1945/46), Wohnhaus, Arztpraxis und Lehrlingswohnheim der LPG. Heute beherbergt die Villa das Parkcafé und das Raritätenkabinett „Bruno Gebhardt“.
Eng mit der Villa verbunden ist der Austelpark, der ursprünglich ein als „Donatsbusch“ bezeichnetes Areal war und mit dem Bau der Villa in eine parkähnliche Anlage im englischen Stil umgestaltet wurde. Der alte Mühlteich und Teile der historischen Mühlentechnik wurden in die Gestaltung einbezogen. Nach 1945 verfiel der Park zunehmend, bevor er ab 1991 unter Schutz gestellt und mit Unterstützung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen schrittweise wiederhergestellt wurde.
Die jüngste Phase der Sanierung des Geländes begann im Dezember 2021 mit dem Abriss eines rund 200 Jahre alten Nebengebäudes, das zu Austels Zeiten dem Gesinde und später der Verwalterfamilie als Wohnstätte gedient hatte. Bis zuletzt nutzte die Außenstelle Zwönitz des Naturschutzzentrums Erzgebirge das Erdgeschoss für Büro- und Sozialräume, während ein Veranstaltungsraum mit Küche für Vereine bereits seit Jahren wegen Einsturzgefahr gesperrt war. Im Obergeschoss hatten verschiedene Zwönitzer Vereine wie die Klöppler, Philatelisten, der Chor und die Schnitzer ihre Räume. An die Stelle des nicht mehr sanierungsfähigen Gebäudes trat ein eingeschossiger Ersatzneubau mit Verbindung zur Austelvilla. Der Neubau wurde im Juni 2024 eingeweiht. Haupt-
mieter ist die Naturschutzstation. Die Vereine zogen in den alten Poststall um, wodurch der Neubau eingeschossig und damit kostengünstiger ausgeführt werden konnte. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Räumen der
Naturschutzstation ein öffentliches barrierefreies WC, Lagerräume für die Gastronomie in der Austelvilla sowie ein über den öffentlichen Bereich zugänglicher Aufzug, der den barrierefreien Zugang bis in den 1. Stock der Villa ermöglicht.
Parallel zur Planung des Neubaus wurde die Sanierung der Villafassade vorbereitet. Neben der eigentlichen Fassadeninstandsetzung gehörten
auch umfangreiche Steinmetz- und Spenglerarbeiten zum Leistungsumfang. Ziel war die Bewahrung des historischen Erscheinungsbildes bei gleichzeitiger Sicherung der Bausubstanz. Die Arbeiten wurden im September 2024 abgeschlossen und gaben der Villa ihr historisches Antlitz zurück.
Nach Abschluss der Fassadensanierung begann im September 2024 der
letzte Abschnitt der Maßnahme: die Neugestaltung des Parkzugangs. Dieser beinhaltete den Rückbau der durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen errichteten und teilweise eingestürzten Trockenmauern sowie deren Neuerrichtung in Natursteinmauerwerk. Zudem entstanden neue Wege rund um den Teich und im Vorbereich des Villengartens. Eine neue Treppenanlage verbindet den Villengarten mit dem höher gelegenen Park.
Besonderes Augenmerk galt dabei der historischen Radkammer. Eine neu errichtete Brücke führt über die Radkammer und verbindet zugleich die Terrasse des Mehrzweckgebäudes mit dem Park. Die Radkammer selbst bleibt als Zeugnis der früheren Mühlennutzung sichtbar und erlebbar. Daneben wurden Eisensäulen und Turbine als die letzten noch erhaltenen Teile der technischen Ausstattung der ehemaligen Austelmühle platziert.
Ein besonderes Detail kommt in den Abendstunden zum Tragen (s. Titelbild): Die neue Terrasse samt Geländer ist mit einer indirekten Beleuchtung ausgestattet, die bei Dunkelheit für eine angenehme Atmosphäre und sichere Orientierung sorgt. Damit wird die Lichtinstallation über dem Austelteich „colour floating“ optimal ergänzt. Das dezente Licht unterstreicht die architektonische Gestaltung und lädt auch in den späten Stunden zum Verweilen ein.
Der Spielplatz wurde vollkommen neu angelegt und erweitert. Die alten Spielgeräte wurden vollständig gegen neue Anlagen ausgetauscht, wodurch der Bereich nicht nur gestalterisch aufgewertet, sondern auch für Familien und jüngere Besucher wieder attraktiver geworden ist.
Nach der erfolgreichen Fertigstellung der verschiedenen Bauarbeiten durfte auch die offizielle Eröffnung nicht fehlen. Gemeinsam mit Planern und ausführenden Firmen wurde das Ensemble eingeweiht. Dabei hat sich Ulf Mothes, der Geschäftsführer der Firma Bauunternehmung Mothes GmbH & Co. KG etwas Besonderes einfallen lassen. Die aufgrund der massiven Ausführung von den Bauarbeitern liebevoll als Burg Rübenstein bezeichnete Mauer veranlasste ihn zu einer besonderen Ausgestaltung. Als Ulf von Rübenstein überreichte er in Rüstung der Stadtverwaltung eine Urkunde für die Fertigstellung von „Schildmauer,
Turnierplatzund Wasserloch.
Allerdings sind die Bauarbeiten am Areal noch nicht endgültig abgeschlossen. In einem nächsten Schritt sind weitere Baumaßnahmen für den Wiesenbereich und den äußeren Sitzbereich an der Austelvilla geplant. Diese Maßnahmen sollen das Ensemble weiter aufwerten und zusätzliche Aufenthaltsqualitäten im Außenbereich schaffen.
Das Areal bleibt ein wichtiger Ort für Naturschutz, Kultur und Begegnung in Zwönitz. Mit der fertiggestellten Infrastruktur, dem barrierefreien Zugang und den neu gestalteten Außenbereichen bietet die Austelvilla ideale Voraussetzungen für eine vielseitige Nutzung. So gehen nicht nur umfassenden Baumaßnahme zu Ende, sondern fast zeitgleich auch eine Ära im gastronomischen Bereich der Villa. Nach über 30 Jahren hat sich das Ehepaar Steubel nun entschieden, ihr mit Herzblut geführtes Parkrestaurant Austel-Villa zum Jahreswechsel zu schließen. Für die gastronomische Kultur unserer schönen Bergstadt ein großer Verlust. Natürlich wünschen die Zwönitzer dem Ehepaar von Herzen einen wohlverdienten Ruhestand. Die Stadt erarbeitet aktuell ein Exposé, um dann mithilfe eines Maklerbüros auf Pächtersuche zu gehen.
